Ausstellungen

Sammlung Falckenberg und Skulpturengarten

angeschlagene-FigurGleich hinter der Glienicker Brücke, auf der einst Agenten ausgetauscht wurden, liegt die Villa Schöningen. Das Haus beherbergt ein „Deutsch-Deutsches Museum“, das neben der Dauerschau „Spione, Mauer, Kinderheim“ wechselnde Kunstausstellungen zeigt. Den inspirierend lehrreichen Ort umgibt ein temporärer Skulpturengarten. Unter alten Buchen kann man das Ineinandergreifen von Natur, Kunst und Geschichte auf sich wirken lassen – Jonathan Meeses grotesk verformte Generalsbüsten, Manfred Pernices beklemmendes Turmgefängnis „Parkdose“ oder Bruno Gironcolis versteinerten Kinderwagen.

Drinnen gastieren momentan die Aufmüpfigen von einst unter den Titel „Wahrheit ist Arbeit“. Es sind ätzend ironische, gesellschaftspolitische Werke von Martin Kippenberger, Werner Büttner, Georg Herold und Albert Oehlen aus der hochkarätigen Sammlung des Hamburgers Harald Falckenberg: Provokationen wie Kippenbergers ans Kreuz genagelter Frosch („Was ist der Unterschied zwischen Casanova und Jesus: der Gesichtsausdruck beim Nageln“) und auch weniger heftige Arbeiten, so Büttners treffliche Serie von Zeichnungen „Versuche zur Emblematisierung von Dasein“ (1995-97) oder seine „Angeschlagene Figur“ (2004, Foto). Bisweilen schwer erträglich und doch gut. Schließlich ist die Wirklichkeit selbst mitunter pervers, wird als absurd empfunden und dennoch als lebenswert. Man kann eine Menge mitnehmen von diesem Besuch in der 1843 durch Ludwig Persius erbauten italienischen Turmvilla, die die Eigentümer – Mathias Döpfner, Vorstandschef der Axel-Springer-AG, und Leonhard Fischer, Vorsitzender der RHJI – vor dem Abriss bewahrten. Eine Museumsperle, die Zeitzeugen zu Wort kommen lässt und Kunst, die sich im weitesten Sinne mit den Themen des Ortes: Totalitarismus und Demokratie, Freiheit und Unfreiheit, befasst.    

Text: Andrea Hilgenstock

(tip-Bewertung: Herausragend)

Arbeiten aus der Sammlung Falckenberg und Skulpturengarten
Villa Schöningen, Berliner Straße 86, Potsdam, Do+Fr 11-18 Uhr, Sa+So 10-18 Uhr, bis 31.10.2010

 

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