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„Schloss Bau Meister. Andreas Schlüter und das barocke Berlin“ im Bode Museum

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 „Berliner Schloss mit Langr Brücke und Reiterstandbild des Prinzen Georg Friedrich von Preußen“, gemalt von Maximilian Boch

Die Spuren des Barockkünstlers Andreas Schlüter verlaufen geheimnisvoll: Weder weiß man genau, in welchem Jahr er geboren wurde (1659 oder 1660), noch in welcher Stadt. Vermutlich in Danzig. Schon seine Zeitgenossen priesen ihn als den „Michelangelo des
Nordens“ – denn Schlüter war, wie Michelangelo, nicht bloß Bildhauer, sondern auch Architekt, Stadtplaner und Kreateur grandioser Raumdekorationen, mit denen er Berlin zu frühem Glanz verhalf. Unter Friedrich III., dem späteren König Friedrich I. von Preußen, wurde Schlüter Hofbildhauer. Nach dessen Tod 1713 wurde Schlüter aber entlassen, woraufhin er nach Russland zog. Bekannt ist dann erst wieder die Meldung seines undatierten Todes, die Berlin am 23. Juni 1714 erreichte. 

300 Jahre liegt der Berliner Hofbildhauer und Schlossbaumeister Andreas Schlüter nun unter der Erde. Viel mehr als die monumentalen Reiterstandbilder des Großen Kurfürsten vor dem Charlottenburger Schloss und im Bode-Museum kennt man von ihm in der Regel nicht. Trotzdem ist er in aller Munde, spätestens seit das Stadtschloss als halbherziges Imitat von Franco Stella in der Mitte Berlins Gestalt annimmt. Denn Schlüter baute für Friedrich III., Kurfürst von Brandenburg, der sich 1701 selbst zum König von Preußen krönen ließ, das alte Berliner Schloss um. Er erweiterte es durch sein bildhauerisches Dekor zu einem barocken Palast. Der Hohenzollernkasten ging 1950 bekanntlich durch Sprengung verloren. Gleichwohl blieb er in der Kunstgeschichte hängen und nachhaltig in den Köpfen der Nostalgiker. Die können sich in etwa fünf Jahren an der unvollständigen Rekonstruktion des Schlüterhofes erfreuen und am Teil-Nachbau des einstigen Fassadenschmuckes durch die Schlossbauhütte Spandau.

Wer schon in diesen Tagen Tuchfühlung mit dem guten Geist von damals aufnehmen will, kann die groß angelegte Ausstellung „Schloss Bau Meister. Andreas Schlüter und das barocke Berlin“ im Bode-Museum besuchen. Sie huldigt dem „Michelangelo des Nordens“, der 1694 aus Danzig nach Berlin berufen wurde, sowie seinen Vorbildern und anderen Künstlern seiner Zeit. Sein 300. Todestag kommt genau zur rechten Zeit, um die Akzeptanz für das Baugeschehen am Schlossplatz zu erhöhen. Vielleicht steigert der Rundgang durch die 16 Säle und Kabinette im Museum ja die Neugier. Er führt das barocke Berlin vor Augen, von dem kaum etwas erhalten ist.

Eine Ahnung der gewaltigen Ausmaße damaliger Architektur vermittelt das ehemalige Zeughaus Unter den Linden, Sitz des Deutschen Historischen Museums. Auch an dessen Errichtung war Schlüter beteiligt: Er schuf die Bauplastik vor allem im Erdgeschoss der Außen- und Hoffassaden. Mächtige Helme hier und am Schloss Adler – das preußische Wappentier. Derlei Zierde sollte imponieren und den Auftraggeber würdigen.

Die Kunst des Barock war eine verschwenderische und spektakuläre. Sie wollte den Betrachter in Erstaunen versetzen. Natürlich ließ sich besonders mit der Architektur prunken. Sei es nun, dass königliche oder fürstliche Residenzen als Zeugnis der Autorität ihrer Herrscher entstanden, oder Basiliken, die durch ihr pompöses Aussehen die Macht der katholischen Kirche spiegelten.

Schlüter hatte zunächst als Stuckateur und Bildhauer am königlichen Palast von Warschau mitgearbeitet und am Kapellen-Portal der Danziger Marienkirche. Seine Kunst war gefragt und soll sogar bald am Berliner Stadtschloss wieder aufleben. Bestaunen kann man jetzt schon eine restaurierte Supraporte aus dem Gigantentreppenhaus. Sie zeigt zwei antike Männerporträts mit reich verzierten Helmen. Ist das Schloss fertig, wird sie dort angebracht. Berthold Just, Leiter der Schlossbauhütte, sagt, die Männerporträts seien Ausweis dafür, dass Schlüter die Außenarchitektur in das Gebäude hereingeführt habe und eine Einheit von Außen und Innen anstrebte. Vorbilder für den auf Überwältigung zielenden Gesamteindruck fand der Künstler in Frankreich und Italien. In der Berliner Schau lassen sich Vergleiche mit Skulpturen von Gian Lorenzo Bernini oder Francois Girardon ziehen.

Schlüter machte im Dienst der Krone Karriere: Er fertigte monumentale Bronzen für Friedrich I. und seinen Vater. Hoch zu Ross thront der Große Kurfürst in der Eingangshalle des Bode-Museums. Auch die Kanzel in der Berliner Marienkirche entwarf der Bildhauer, den Prunksarkophag für Königin Sophie Charlotte und das Bernsteinzimmer. Ursprünglich für Schloss Lietzenburg (Charlottenburg) geplant, schmückte es stattdessen das Stadtschloss. Dort blieb es aber nicht lange: 1716 wurde das Bernsteinzimmer dem russischen Zaren Peter dem Großen geschenkt. In St. Petersburg ist Schlüter zwei Jahre zuvor auch gestorben. Zuvor sank sein Stern rapide: Sein allzu kühner Münzturm war ins Wanken geraten – wie auch sein Lustschloss in Bad Freienwalde.

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Durch diese statischen Probleme und noch dazu Baumängel am Zeughaus war der Hofkünstler bald kein gefragter Mann mehr. Der ehrgeizige Eosander von Göthe hatte bereits 1707 die Bauleitung des Berliner Stadtschlosses von ihm übernommen. Als König Friedrich I. starb, besiegelte dies Schlüters Entlassung aus dem Hofdienst. Der kaum noch beschäftigte Bildhauer, der zuletzt an der Villa Kamecke und angeblich am Konstruktionsversuch eines Perpetuum mobiles gewerkelt hatte, suchte 1713 das Weite. Er reiste nach Russland, in der Hoffnung, für Zar Peter den Großen neu durchstarten zu können. Der hatte gerade begonnen, Petersburg ausbauen zu lassen. Doch über Schlüters letzte Lebenstage ist nichts bekannt. Sein Schüler Martin Heinrich Böhme vollendete indes sein Werk in Berlin, das Stadtschloss. Nun feiert die Vision des Künstler-Architekten ihre Wiederauferstehung.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Eigentum des Hauses Hohenzollern, SKH Georg Friedrich Prinz von Preußen, Burg Hohenzollern 

Schloss Bau Meister. Andreas Schlüter und das barocke Berlin Bodemuseum, Am Kupfergraben 1, Di, Mi, Fr–So 10–18, Do 10–20 Uhr, 4.4.–13.7.

 

 

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