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Kritik

Im Schloss Cecilienhof beleuchtet Ausstellung die „Potsdamer Konferenz“ neu

Eine Sonderausstellung in Schloss Cecilienhof widmet sich bis zum Jahresende der „Potsdamer Konferenz“ vom Sommer 1945. Unsere Autorin Iris Braun war vor Ort und hat für euch die lohnenswerte Ausstellung besprochen.

Anhand lebensgroßer Aufsteller wird deutlich gemacht, wer die Akteure rund um die „Potsdamer Konferenz“ waren. Foto: SPSG

Zeitzeug*innen wurde ja in der Geschichtswissenschaft lang nur lauwarm begegnet. Sie mochten mehr erlebt und gesehen haben als die Historiker*innen in ihren Archiven – aber diese wollten sich nicht von persönlichen Schicksalen den Blick auf das große Ganze verstellen lassen. Seit einiger Zeit ist das zum Glück anders, auch dank der Shoah-Forschung.

In der neuen Sonderausstellung des Schloss Cecilienhof zur Potsdamer Konferenz hat man am historischen Schauplatz jetzt wunderbarerweise auch eine Zeitzeugin zu Wort kommen lassen, und was für eine. Die damals 19-jährige Joy Milward begleitete als Sekretärin ihren Premierminister Winston Churchill ab dem 15. Juli 1945 zum Treffen der großen Drei für diese „Neuordnung der Welt“, wie es im Ausstellungstitel heißt.

Noch heute schmückt der sowjetische Blumenstern den Hof von Schloss Cecilienhof. Foto: Peter-Michael Bauers

Harry S. Truman war für die USA dabei, Josef Stalin für die Sowjetunion. Frankreich hatte zwar Alliiertenstatus, aber bei der Konferenz keine Stimme. Joy Milward also schrieb Tagebuch und reflektierte dabei nicht nur sehr erhellend den Konferenzort Babelsberg, der auch der Wohnort aller Teilnehmer*innen war, mit den Worten „Wir waren im Hollywood von Deutschland gelandet“, sondern gibt auch erschütternde Einblicke in das Deutschland kurz nach dem Krieg. Mit einer hungernden Bevölkerung, die sie bei einem Besuch in Berlin auf der Straße sieht und beschreibt.

Ausstellung „Potsdamer Konferenz“: Bombenbefehl aus Babelsberg

Kurator Matthias Simmich hat für die neue Ausstellung eng mit der heute 94-Jährigen zusammengearbeitet. Ihre Beobachtungen fließen in Wort und Bild genau so gut in die Ausstellung ein wie zum Beispiel die des Übersetzers Hugh Lunghi. Der beschreibt seinerseits hervorragend, wie Generalissimo Stalin auftrat (man verrät nicht zuviel, wenn man sagt, dass er kein Mann der vielen Worte war), und wie brillant bis launig Churchill seine Anliegen vorbrachte – auch wenn er diese als Repräsentant eines geschwächten Staates nicht immer durchsetzen konnte.

Truman dagegen, der noch während der Konferenz erfuhr, dass sein Land jetzt Atombombenmacht war, rückte damit in die stärkste Position. Und war zudem mit dem verheerenden Abwurf über Hiroshima in der Lage, den 1945 immer noch tobenden Krieg im Pazifik zu beenden. Darauf und auf das Elend, das aus den Vertreibungen und Umsiedlungen von Millionen Menschen in Mitteleuropa nach Kriegsende resultierte, gehen die Ausstellungsmacher besonders ein. Denn diese direkten Folgen der Neuordnung der Welt wirken sich bis heute aus.

Das wohl bekannteste Foto der „Potsdamer Konferenz“: Churchill, Truman und Stalin sitzen während einer Pause vor Schloss Cecilienhof. Foto: U. S. Army Signal Corps / Courtesy of Harry S. Truman Library

Und auch in diesem abschließenden Teil der Schau stimmt die Mischung aus historischer Einordnung und Zeitzeug*innen-Berichten, dazu kommen multimediale Einschübe und ein guter Audioguide. Das macht den Besuch den einen Tick frischer, den es braucht, um in den düsteren Räumen dieses letzten Hohenzollernschlosses nicht komplett in der Geschichte zu versacken. Das kann man dann besser in einem der historisch nachgebauten Korbstühle auf der Terrasse.

  • Schloss Cecilienhof, Im Neuen Garten 11, 14469 Potsdam, Di–So 10–17.30 Uhr, 14/ 10 €, Zeitfenster-Ticktets unter www.spsg.de, bis 31.12.2020

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