Ausstellungen

Seth Pick bei Gerhardsen Gerner

Seth Pick bei Gerhardsen Gerner

Die Ölfarbe verdünnt Seth Pick fast wie beim Aquarell. Mit präzisen Kratzungen und verlaufenden Lösungsmitteln generiert er Störeffekte für die Bäume, Schmetterlinge und die jungen Männer seiner Bilder. An den Rändern arbeitet er inzwischen viel mit wohlgrundierten Freilassungen, auch Tropfspuren, die er teils wieder wegwischt. Terpentingetränkt mäandert das Öl. So nimmt Seth Pick, 29, Absolvent des Goldsmiths College in London und der Frankfurter Städelschule, dem Öl für seine fragilen Sujets ein wenig von der Kontrollierbarkeit, die dem Material ansonsten anhaftet.
Inspiriert sind die Arbeiten durch chinesische Parabeln („Zhuang Zhou’s Dream“), Narziss aus Ovids „Metamorphosen“ („Untitled“) oder Science-Fiction-Romane von J. G. Ballard. Die zehn Werke in seiner ersten Berliner Ausstellung reichen vom technisch effektvollen, dreiäugigen Selbstporträt in einer verzerrenden Wasserspiegelung bis hin zur coolen Abstraktion („Virus“).
Romantische Kulisse wird von Pick dann bei aller Liebe zur und in der Natur auch wieder entzaubert. Etwa in „Vitrine“, wo ein Paar, einander nicht anblickend, hinter eine Glasfassade platziert wurde, vor nahezu zweidimensionalem Fake-Hintergrund ausharrend. Auch bei „Stalker II“ spürt man das unheimlich Düstere hinter dem Schilf. Diese herausragenden Bilder sind bei Weitem nicht so harmlos wie sie erst einmal wirken. Auch wenn ihr schöner Zauber es so leicht macht, die Abgründe zu übersehen.?   


Text:
Stefan Hochgesand

Foto:
Seth Pick, Gerhardsen Gerner

Gerhardsen Gerner Holzmarktstraße 15, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 3.12.

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