Ausstellungen

Shilpa Gupta bei BodhiBerlin und in der Galerie Volker Diehl

Shilpa Gupta

Private Wachdienste, eine weltweit expandierende Branche. Dennoch nimmt man die Schützer des Eigentums fast nur peripher wahr, denn schließlich ist die Unauffälligkeit eine ihrer Eigenschaften. Ihrer Wache hat die indische Künstlerin Shilpa Gupta eine kleine Porträtserie gewidmet, „Turner Rd“?: Irgendwo am Rand von Baukomplexen, Eingängen, Garagen stehen die moderat uniformierten Männer, und da, wo ihr Gesicht sein sollte, ist in der ansonsten scharfen Fotografie ein milchiger Fleck. Kleine Lautsprecher sind in die Fotos eingebaut, die uns mit diffusem Rauschen und Piepen begrüßen. Einerseits verkörpern die Wachmänner eine Gewalt, die sie gegebenenfalls ausüben, andererseits scheinen sie selbst als eigene Personen ausgelöscht, und gerade in dieser Ambivalenz liegt das Gefährliche.

Seit vier Jahren gehört die junge Künstlerin Shilpa Gupta zu den über die großen Biennalen von Seoul, Sydney, Shanghai und Liverpool tourenden Newcomern. In Berlin zeigen die Galerie Volker Diehl und BodhiBerlin ihre erste Einzelausstellung in Deutschland. Ihr Zugriff auf das Thema Grenze ist dabei nicht nur wach gegenüber sozialen und politischen Verschiebungen, sondern auch erstaunlich spielerisch. Da sieht man zum Beispiel in einer Projektion die zarte Umrisslinie eines Kontinents, die ständig die Gestalt wechselt: ?“100 Hand drawn Maps of India?“. Neben dem Einfachen steht bei ihr aber auch das Aufwendige: In der interaktiven Installation „?Untitled (Shadow 3)?“ erlebt der Besucher, wie sein Schatten zum Ziel eines Angriffs und einer Invasion wird.

Schatten von Körpern und Schatten von Gegenständen rasen auf ihn zu, kletten sich an seine Beine, klemmen sich huckepack auf seinen Rücken, verfolgen seine Bewegungen, dringen in ihn ein und verschlucken ihn schließlich. Viele Geschichten passen auf diese Bilder ? was einen da einholt und verschlingt, kann ebenso aus der eigenen Vergangenheit gekommen sein wie aus der gesellschaftlichen Umwelt. Aber selten wird die Grenze des eigenen Körpers so aufregend von der Kunst überschritten.

Text: Katrin Bettina Müller

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