Editionen

„Sigmar Polke. Die Editionen“ im me Collectors Room

Phantasievoll und politisch, sinnlich und witzig: Sigmar Polke. Die Editionen offenbaren den postmodernen Realisten als Meister vieler Drucktechniken

Foto: baumann fotostudio gmbh / The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen besaß der 2010 verstorbene Sigmar Polke Humor und Selbst-Ironie. Dies zeigt sich auch in seinem üppigen Editionswerk, das einer Wundertüte gleicht. Der Sammler Axel Ciesielski hat da den Überblick behalten. Seine rund 200 Drucke, Künstlerbücher, Foto-Collagen und Objekte aus seinem Kunstraum am Limes gastieren bei Thomas Olbricht im Me Collectors Room.

Phantasievoll und politisch, sinnlich und witzig sind die Auflagen-Werke, die oft Unikat-Charakter besitzen, denn Polke fiel immer wieder über eigentlich fertige Blätter her. Der ideensprühende Künstler war ein Meister unterschiedlicher Drucktechniken, experimentierte mit Materialien und machte Rasterpunkte zu seinem Markenzeichen. Einen Eindruck vom Gesamtwerk dieses gerne auch kritischen Rasterfahnders, der dem Computerzeitalter vorauseilte, bietet die anregende Schau. Vom originellen „Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann“ aus dem Jahr 1969 über lustvoll pop-artige Darstellungen bis zur Verfremdung eines Bettlers reicht das breite Spektrum. Polkes Perspektive oszilliert häufig zwischen Alltag(s)-Realität und Ironie. Selbst „Die Waschung der Lineale“ schien ihm bildwürdig. Autobiografischen Charakter besitzen ebenso die 40 Blätter zum „Vollmond im Widder“ (2005), die auf frühe Reiseskizzen aus den 1970er Jahren zurückgehen. Sie beeindrucken durch frische, intensive Farben und schwungvoll-surreale Kompositionen voller Leichtigkeit. Lustig daneben: die „Rennende Schere“ aus Sterling-Silber, die mit ihren langen Beinen durch einen engen Kartonkasten sprintet.

me Collectors Room Auguststr. 68, Mitte, Di–So 12–18 Uhr, bis 27.8.

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