Ausstellungen

„Spuren, Hohlräume, Leerstellen“ in der Villa Oppenheim

Villa_Oppenheim__SeraphinaLenz_KristallglanzIm April 1939 schreibt ein Ehepaar alles auf, was zum Hausstand gehört, rund 1?000 Gegenstände. Später wird die Liste Grundlage für den Taxator, der die Habseligkeiten versteigert. Was sich der Staat damals unter den Nagel riss, gleicht einem Raubzug. Hunderte von Anwohnern wurden in den 1930er-Jahren vom Ku’damm vertrieben, enteignet, deportiert. Der Gastronom Karl Kutschera etwa. Der Ungar war 1900 in die Stadt gezogen und betrieb das Cafй Wien sowie den Zigeunerkeller am Ku’damm 26. Er wurde 1943 nach Theresienstadt gebracht, überlebte, seine Kinder aber nicht. Mit Lebensläufen wie diesem haben sich sieben Künstler beschäftigt. Für ein Gemeinschaftsprojekt der UdK mit dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf folgten sie solchen Spuren im Rahmen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“. Vitrinen-Installationen am Kurfürstendamm sowie eine kleine Schau in der Villa Oppenheim erinnern an die Leerstellen, die die so genannten Arisierungen hinterließen. Neben einzelnen Schicksalen gibt es in weiteren Ausstellungen der Villa viel über die Historie der Wilmersdorfer Straße sowie über die Familien Mendelssohn und Oppenheim zu erfahren. Sie gehörten zu den großen jüdischen Familien Berlins.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Ringo Paulusch / Museum Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Spuren, Hohlräume, Leerstellen Villa Oppenheim, Schloßstraße 55, Di–Fr 10–17 Uhr, bis 1.12.

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