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Stargalerist Michael Kewenig eröffnet mit dem Starkünstler Christian Boltanski

Kewenig_C_simon_vogel_koelnDort sind nach Vereinbarung große Installationen von Jannis Kounellis und Mario Merz zu besichtigen. Die eigentlichen Galerieräume liegen aber in Mitte. Dort erwarb der Galerist das 1688 erbaute Palais Happe, auch Galgenhaus genannt, nachdem dort eine des Diebstahls bezichtigte Dienstmagd gehängt wurde. Imposante, mit Deckenmalerei verzierte Räume betritt der Besucher. Noch ist die Sanierung nicht ganz abgeschlossen. Doch die erste Ausstellung steht schon. Es ist eine Art Retrospektive von Christian Boltanski über zwei Stockwerke. Kewenig wird künftig im Palais Happe auch einen Teil von Boltanskis Archiv aufnehmen und für Recherche­zwecke zugänglich machen. Die Ausstellung „Große Hamburger Straße“ spiegelt Boltanskis Beschäftigung mit einer Gruppe von Mädchen der dort gelegenen früheren jüdischen Schule. 1990 war der Künstler durch seine Arbeit „The Missing House“, die er in der Großen Hamburger Straße Nummer 15 realisierte, auf ein Foto der Schülerinnen gestoßen. Alle lachen auf diesem Bild vom April 1938. Wieso sind sie so fröhlich? So fragte sich Bol­tanski, der immer wieder Erinnerung thematisiert.

Mit ihm tut das nun auch der Betrachter der großformatigen Abzüge, fast verschwimmenden, zarten Abdrücke auf Stoff und der filigranen Eisenstelen mit den vergrößerten Mädchenporträts. Die Arbeiten sind aus den Jahren 1994 bis 2013. Sie erinnern an das Verschwinden der Kinder und ihres Lachens. Es wird für immer ein Rätsel bleiben, was damals so erheiternd war. 1942 wurde ihre Schule geschlossen und von der Gestapo zum Sammellager für jüdische Bürger umfunktioniert. Gut, dass die Mädchen zu dem Zeitpunkt der Aufnahme von ihrem Schicksal nichts ahnten. Sonst wäre ihr kurzes Leben vermutlich ohne dieses losgelöste Lachen geblieben.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Simon Vogel / Koeln

tip-Bewertung: Sehenswert

Kewenig Brüderstraße 10, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 9.11.

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