Ausstellungen

Stefan Hochgesand kommentiert

Stefan Hochgesand

June Newton war am 4. Juni in der Stadt. Um zehn Jahre Helmut Newton Foundation zu feiern. Auf meine Frage, was für sie Schön?heit sei, zitierte sie mal eben aus Shakespeares „Hamlet“: „Dies über alles: / Sei dir selber treu! / Und daraus folgt / so wie die Nacht dem Tage / Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.“
Ob Helmut und sie nie eifersüchtig aufeinander waren angesichts der sexy Fotomodels? „Eifersucht ist ein verdammt dreckiges Wort!“, erwidert sie mir voller Energie. Einen Tag vorher hatte die Grande Dame ihren 91. Geburtstag gefeiert und kam frisch aus Kalifornien gejettet. Ein Schelm, wer unkt, Frau Newton sei zu alt und träge, um eine brandneue Newton-Schau zu entwickeln. Jetzt zum Jubiläum zeigt die Newton Foundation zwei Ausstellungen („Sex and Landscapes“, „Us and them“), die es – Skandal, Skandal! – vor zehn Jahren schon einmal gab. Längst nicht jeder wird sie damals gesehen haben. Ich auch nicht. Das selbstgefällige Feuilleton aber raunt: „Kennen wir alles schon!“ Und das, obwohl die Stiftung im letzten Jahrzehnt ein Dutzend anderer erstklassiger Ausstellungen gezeigt hat.
Dass man so manche Fotografie daraus schon gut kennt, ist einer klaren kuratorischen Linie zu verdanken, die völlig ausschließt, „unentdeckte Schätze“ aus den Archiven zu zerren. Helmut Newtons Werk sind die Bilder, die er zu Lebzeiten publiziert hat. Er war einflussreich genug, nur das he­rauszugeben, was er wollte: Sex. Und Landschaften.

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