Ausstellungen

Stefan Hochgesand über Blockbuster

Stefan Hochgesand über Blockbuster

Schneller, weiter, höher, länger. Wir lieben Rekorde. Im Kunst­betrieb heißt das: atemraubende Auktionssummen und spekta­kulöse Besucherzahlen. Wir Journalisten sind am wenigsten davor gefeit: Ehrfürchtig vermelden wir 240?000 Besucher in der Ai-Weiwei-Schau oder 150?000 bei David Bowie.
Irgendwie macht das mehr her als 10?000 Besucher bei „Die 8 der Wege“ (auch Pekinger Gegenwartskunst, aber eben ohne Blockbuster-Ai) oder die 5?200 bei „Mythos Vinyl“ im Museum Neukölln, oder? ?Dort geht es nebenbei auch um David Bowie. Der Besucher bekommt ein iPad, über das man sogar in die Platten reinlauschen kann. Wahrlich multimedial, nicht nur für ein Heimatmuseum. 5?200 Besucher für eine Sonderausstellung, die erst drei Monate läuft – so viel haben 70 Prozent aller Heimatmuseen nicht einmal im ganzen Jahr. Auch ein Erfolg. Wenn auch kein ganz so kreischender.
Wie viel sind eigentlich 240?000? Zum Vergleich: Die erfolgreichste Ausstellung 2013 zog stolze 600?000 ins Neue Museum: ?“Im Licht von Amarna“. Neben Nofretete sind Weiwei und ?David dann halt doch nur blasse Milchbubis. Vielleicht sollte man sich aber auch einfach etwas frei machen vom Zahlenwahn. Als ob sich damit viel über die Kunst sagen ließe. Zahlenrekorde gehören zu den Olympischen Spielen. Ob die nach Berlin gehören, würde diese Kolumne aber um viele Zeilen sprengen. Rekord­verdächtig viele.

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