Ausstellungen

„Stefan Moses. Emigranten“ in der Galerie Johanna Breede

Tilla_Durieux_Berlin_1963_c_Stefan_Moses_Johanna_Breede_PHOTOKUNST„Bei den ‚Stern‘-Kollegen war ich sehr beliebt, weil ich die großen Reisen anderen überließ und lieber nach Gießen oder Passau gefahren bin“, resümiert der große Porträtfotograf Stefan Moses. Dennoch haftet seinen Arbeiten so gar nichts Piefig-Provinzielles an. Vielmehr liest sich die Werksliste des 1928 in Schlesien Geborenen wie ein Who-is-who der deutschsprachigen Geistes- und Kulturelite. Eine geschickte Auswahl seiner Porträts hat nun die Galerie Johanna Breede getroffen, die sich in kurzer Zeit einen splendiden Namen gemacht hat auf dem Feld der Fotografie, das in Berlin fleißig beackert wird: Im Zentrum stehen die „Emigranten“. Moses war mit seiner Klientel vertraut, erlitt er doch als „Mischling ersten Grades“ Schrecken und Finsternis der Nazidiktatur. Umso beharrlicher war anschließend seine Suche nach den Emigranten, deren Überlebende er am liebsten vollständig porträtiert hätte. Immerhin fünfundsiebzig Mal gelang ihm dies. Davon ist nun in der Fasanenstraße ein repräsentativer Ausschnitt zu entdecken: Wir sehen Willy Brandt, wie er in der guten Stube nachdenklich seiner Mutter sowie seinem Stiefvater gegenübersitzt. Wir sehen die 83-jährige Tilla Durieux (Abb.), Grande Dame der Schauspielkunst, sie lugt mit einem Lorgnon wie ein Luchs aus dem Geäst. Hans Richter betätigt sich als Post-Dadaist, wenn er großmutterhaft aus einer Kohlblätterhaube linst – skeptisch mit Zigarillo in der Hand. Voller Schalk füllt der eher kleine Heinz Berggruen die Lücke zwischen zwei dicken Baumstämmen aus. Mit Bedacht hat Moses diese Konstellation gewählt: die alten, nach Deutschland Zurückgekommenen mit ihren aufregend-verwitterten Gesichtern vor der Vegetation, die ihre Jahresringe angesetzt hat, aber gleichwohl noch quicklebendig ist. Das Geheimnis des Fotografen, der genau wusste, wen er vor sich hatte, war die intensive Kommunikation: „Beim Fotografieren miteinander zu reden ist ja schon eine Art Analyse und gewiss auch: Psycho-Couch.“ Ausdrücklich fahndet er mit dem Kameraauge danach, was „in den Personen nistet“.

Text: Martina Jammers

Foto: Stefan Moses /Johanna Breede Photokunst

tip-Bewertung: Herausragend

Stefan Moses. Emigranten Johanna Breede, Fasanenstraße 69, Wilmersdorf, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr, bis 21.5.

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