Ausstellungen

Stefan Roloff in der Galerie Deschler Berlin

Stefan RoloffAls Videokünstler würde sich Stefan Roloff nicht bezeichnen. „Ich sehe mich eher als Maler und Filmemacher. In meinen Augen kann ein Bild ein Video oder ein Film werden“, erklärt der 1955 in Berlin geborene und seit 1981 in New York lebende Pionier der digitalen Bildbearbeitung. Dabei hat Roloff 1984 mit seiner Videoarbeit „Face“, für die er 900 Schichten eines Temperabildes sukzessiv ab­filmte, einen Prototyp geschaffen, der später als Musikvideo zu Peter Gabriels Hit „Sledgehammer“ Popgeschichte schrieb und die Clips auf MTV zur Kunstform erhob. „Sledgehammer“ selbst wurde allerdings von dem Regisseur Stephen R. Johnson und den Ani­mationskünstlern von Aardman Animations („Wallace & Gromit“) verwirklicht.

Das animierte Gemälde „Face“ ist nun im Rahmen von Roloffs retrospektivischer Ausstellung „Layers“ zu sehen. Einer Schau, die den multimedialen Aspekt seiner Arbeiten zwischen Malerei, Film und Musik sehr gelungen verdeutlicht. Da funktioniert das über drei Meter lange Acrylbild „Sunstroke“ als farbenfroh gestaltetes Storyboard zu einem späteren Video, die digitale Polaroidserie „Fireball“ ist hingegen einer Videoarbeit entnommen, zu der Jim O’Rouke (u.a. bekannt durch seine Kooperation mit Sonic Youth) die Musik komponierte, und zu „Orange Alert„, einer hektisch geschnittenen Video-Collage des nächtlichen New Yorks, steuerte der Suicide-Gründer Martin Rev die Tonspur bei. Diese Verzahnungen der Genres offenbart sich besonders eindrucksvoll in der Videoarbeit „Prinz Albrecht Straße 8“ und wird um eine biografische Komponente erweitert. Mit der digitalen Technik des Morphings verfremdete Roloff 2004 Fahndungsfotos von Mitgliedern der „Roten Kapelle“. Über diese Widerstandsgruppe im Dritten Reich, zu der auch sein Vater, der langjährige Direktor an der Hochschule für Musik, Helmut Roloff, gehörte, produzierte Stefan Roloff 2003 einen viel beachteten Dokumentarfilm.

Text: JS (Sehenswert)

zur BILDERGALERIE

Stefan Roloff „Layers – Videos 1983-2008“,
Galerie Deschler,
Auguststraße 61, Mitte,
Di-Sa 12-18 Uhr, bis 21.2.2009

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