Ausstellungen

Stefan Weppelmann über „Gesichter der Renaissance“

WeppelmannEin Gespräch mit Kurator Stefan Weppelmann über klimaempfindliche Holztafeln, schöne Florentinerinnen und die Porträtkunst als Mittel der Macht.


tip: Die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ ist Ihre Idee. Wie kam es dazu?

Stefan Weppelmann: Bevor ich nach Berlin kam, war ich Fellow am Metropolitan Museum in New York. Die dortige Sammlung war mir vertraut, sodass in Berlin recht bald der Gedanke reifte, eine Ausstellung zur Porträtkunst der Renaissance zu machen. Deren Kern sollten die Bestände der Staatlichen Museen und des Metropolitan Museums sein. Das war vor etwa sechs Jahren. Zum Glück hat mein Kollege in New York, Keith Christiansen, diesen Gedanken enthusiastisch aufgenommen. Gemeinsam haben wir, aus den eigenen Sammlungen heraus, die Idee weiterentwickelt und uns auch um die Leihgaben bemüht. So entstand eine große Schau mit über 150 Exponaten.

tip: Gab es schon einmal eine derartige Schau? Dass Renaissance-Bilder auf Reisen gehen, dürfte die Ausnahme sein …

Stefan Weppelmann: Das Porträt ist immer wieder Gegenstand von Ausstellungen gewesen. Bisher stand jedoch meistens die Kunst späterer Zeiten, also etwa der Hochrenaissance, des Manierismus und des Barock, im Vordergrund. Gemälde des 16. und 17. Jahrhunderts sind ja mehrheitlich auf Leinwand gemalt und können leichter auf Reisen geschickt werden als die klimaempfindlicheren Holztafeln. Die Frühzeit des Porträts, zumal des italienischen, also die Kunst des 15. Jahrhunderts, ist bislang noch nie in einer Schau behandelt worden. Oft werden diese Bildnisse der Frührenaissance als eine Art Präludium für die Renaissance – Raphael, Michelangelo, Tizian – gesehen. Unser Ansatz ist, diese frühe Phase als eigenständigen, grundlegenden Moment herauszuarbeiten. Wir wollen zeigen, dass alle wichtigen Errungenschaften der Porträtkunst bereits um 1450 da waren – bei Pisanello, Donatello, Botticelli, Verrocchio oder Leonardo.

tip: Gab es Transportschwierigkeiten oder konservatorische Bedenken?

Stefan Weppelmann: Wir haben es einerseits mit extrem empfindlichen unersetzlichen Kunstwerken zu tun, andererseits mit den bedeutendsten Museumsinstitutionen der Welt – dem Louvre, der National Gallery London, den Uffizien, der National Gallery Washington, um nur einige zu nennen. Dies bedeutet, dass für die Behandlung der Leihgaben höchste Standards angelegt werden, um eine konservatorisch optimale Situation herzustellen. Alle Leihgaben werden mit hoch spezialisierten Unternehmen unter klimatisch möglichst stabilen Bedingungen transportiert und unter Einhaltung eines Maximums an Sicherheitsvorkehrungen ausgestellt. Und gerade weil das so ist, gibt es natürlich Hürden, die nicht überwunden werden können. So haben wir in verschiedenen Fällen selbst darauf verzichtet, Leihgaben aus konservatorischen Gründen überhaupt anzufragen. In wenigen Fällen hatten die Leihgeber so starke Bedenken, dass sie unsere Anträge ablehnten. Generell gilt aber, dass die Ausstellung als so bedeutsam eingestuft wurde, dass wir auch Objekte erhalten haben, die bislang noch nie ausgeliehen wurden.

tip: Gemälde von Leonardo da Vinci sind kaum auszuleihen. Wie haben Sie es geschafft, dass sein „Porträt der Cecilia Gallerani“, der Geliebten von Leonardos Brötchengeber Herzog Ludovico Sforza, gezeigt wird, und sogar die Queen sich von einer Zeichnung trennt?

Stefan Weppelmann: Die Porträtkunst des 15. Jahrhunderts ist ohne die Leistungen Leonardos undenkbar. Ausbildung und frühes Schaffen des Künstlers fanden in Florenz statt. Später war er an den Höfen Norditaliens tätig, vor allem für die Sforza in Mailand. Daher kommt es in seinem Werk auch zu einer Symbiose zwischen Florentiner und höfischer Tradition. Mit Leonardo schließt die Kunst des 15. Jahrhunderts und nimmt zugleich Werke des folgenden Jahrhunderts vorweg. Die Schau hat somit durch die Dame mit dem Hermelin in idealer Weise ihren Kulminationspunkt. Wie wichtig die Cecilia Gallerani aus Krakau für die Schau ist, haben wir den Leihgebern in zahlreichen Vorgesprächen auseinandergesetzt. Bei einer Leihgabe dieser Bedeutung sind auch erhebliche finanzielle Mittel nötig, allein schon für die Sicherung.

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