Ausstellungen

Stefanie Dörre über Menschen und Menschenmassen

Stefanie Dörre

Ich mag Menschen. Auch viele Menschen. Menschenmassen sich ebenfalls okay. Auf Musik?­festivals, denn eines ist dort klar: Die Band steht nicht mitten im Pulk, sondern auf der Bühne und ist dort zu sehen und von dort zu hören. Doch Ausstellungen funktionieren komplett anders als Festivals. Kunstwerke können auf dem Boden liegen. Ein Miniformat haben. In einer partizipatorischen Performance vom Publikum mitinszeniert werden. Oder den Betrachter im Spiegel zum Mitspieler werden lassen. All das ist bei der Aus­stellung „Schwindel der Wirklichkeit“ der Fall. Sie präsentiert Spiegel­arbeiten von Olafur Eliasson und Jeppe Hein, eine große performative Arbeit von Christian Falsnaes: Fünf Besucher befolgen Anweisungen, die sie per Kopfhörer be­kommen. Und ich konnte ?bei der Eröffnung der Berlin Art Week, die in ebendieser Ausstellung in der Akademie der Künste stattfand, auch alles gut sehen. Als ich aber die Ausstellungs­räume im ersten Obergeschoss verließ und die Treppe runtergehen wollte, standen unten Menschenmassen, die kaum von den Ordnern hinter der Absperrung zu halten waren, als wäre Primark-Schnäppchentag. Es ist ja schön, dass sich auf einmal alle für die Kunst interessieren und diese die Musik gerade als hippste Kultur­form abzulösen scheint. Aber sie eignet sich nicht für Massen-Events. Da muss man andere Formate finden.

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