Ausstellungen

Stroke.Artfair in der STATION Berlin

Stroke.ArtfairAls Anfang der 80er-Jahre Graffiti-Sprühbilder und Edding-Kritzeleien die Großstädte dieser Welt eroberten, war in der Öffentlichkeit schnell von „Farbschmierereien“ oder „Vandalismus“ die Rede. Und die rasant anwachsende Zahl der „Writer“ fühlten sich als subversive Randgestalten, die die Stadt quasi ästhetisch zurückeroberten. Außerdem versprach die illegale, meist nächtliche Ausübung ihrer Kunst einen Adrenalin-Kick pur – und Anerkennung bei Gleichgesinnten. Weil aber nicht zuletzt die Polizei bei der Jagd nach den Tätern immer erfolgreicher wurde – und die verhängten Strafen leicht fünfstellige Summen erreichten –, begannen nachwachsende Generationen nach Alternativen zu suchen:  Sogenannte Cut-Outs werden seitdem auf Mauern, Stromkästen und Laternenpfähle geklebt. Oder mit Zeichnungen versehene Adressaufkleber. Auch finden sich vermehrt Kreidebilder auf Bürgersteigen und Plätzen

. Oder „ausgesetzte“ Papp-Skulpturen. So vielfältig die Streetart auch erscheinen mag: Gemeinsam ist den meisten neuen Werken ihre Vergänglichkeit. Und die Überraschungs- und Schmunzel-Effekte, die sie mit ihren Zitaten aus der Popkultur und Comic-Welt immer wieder erzeugen. Um ihren Zauber wenigstens als Replik festzuhalten, erscheinen inzwischen nicht nur unzählige Streetart-Fotobücher. Es eröffnen auch immer mehr spezialisierte Ausstellungsräume, die den Künstlern jetzt indoor Platz zum Ausleben ihrer Kreativität bieten. Dass mit dieser verkaufsorientierten Präsentation der Streetart ihr Ausverkauf begonnen habe, bezweifelt Marco Schwalbe, 34, Betreiber der auf Street-, Urban- und New Contemporary Art festgelegten Berliner Galerie Intoxicated Demons. „Es sind mittlerweile auch viele studierte Künstler dabei, die sich von den Ausdrucksformen der Streetart inspirieren lassen“, sagt er. Und in der Kunst sei man nun mal so frei, aufgreifen zu können, was man wolle. Konsequenterweise hat Marco Schwalbe zusammen mit seinem Bruder Raiko, 33, mit der „Stroke“ eine auf Street- beziehungsweise New Contemporary Art spezialisierte Messe gegründet. Nach Stationen in München eröffnet diese zum Kunstherbst nun erstmals ihre Pforten in Berlin.    

Text: Eva Apraku


STROKE.ARTFAIR ?
Station-Berlin, Halle 5, Luckenwalder Straße 4-6, Kreuzberg, 7.-10.10., www.stroke03.com

 

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