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Studiomove

Thorsten BrinkmannGemütlich schaut es aus in Georg Kolbes ehemaligem Wohnzimmer. In der Mitte thront eine pastellfarbene Polster-Recamiиre. Kolbes Kamin hat Thorsten Brinkmann eingebaut in Gelsenkirchener Barock. Gedrechselte Garderoben, Geweihe und surreale Bürstengebilde empfehlen sich als Staubfänger. Der Titel „Studiomove“ bezeichnet dabei einerseits den Umzug von Brinkmanns Hamburger Atelier ins Berliner Westend, verweist jedoch ebenso auf die dauernde Metamorphose der Dinge im Studio.
Die Albträume unserer bürgerlichen Wohnkultur nimmt der Künstler wunderbar auf die Schippe. Und sich selbst dazu, sind doch seine sorgsam konstruierten Fotografien (Selbstportraits) oft Paraphrasen zu Kunst-Ikonen wie Tizians „Venus“ oder Piero della Francescas „Herzog von Urbino“. Als Erstes fallen die originellen Kopfbedeckungen auf: Eimer, Töpfe, Stepptücher, dort, wo sonst der Kopf ist. Eine reich drapierte Venus räkelt sich auf dem Sofa, behütet von einem weiß ?lackierten Badezimmerhocker und mit einer roten Milchkanne als Armstulpe. Anders als Cindy Sherman will Brinkmann aber nicht die Kunstgeschichte zitieren. Wenn er in seinen Videoclips mit der Tücke des Objekts von Liegestühlen und Pappkartons kämpft, dann hat das nicht nur etwas Urkomisches, sondern erinnert an Hugo Balls Auftritte im Cabaret Voltaire.     

Text: Martina Jammers
Foto: Thorsten Brinkmann/Galerie Kunstagenten Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

 

Thorsten Brinkmann Studiomove
Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25; Charlottenburg, bis 21.11.

 

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