Ausstellungen

„System und Sinnlichkeit“ im Kupferstichkabinett

ClaudeHeath_UniverseIn Zeiten geringer Ankaufsbudgets hat sich das Kupferstichkabinett die Schering Stiftung angelacht. Eine gute Idee, wie das Ergebnis dieser fünfjährigen Liaison zeigt. 30 zeitgenössische Zeichnungen von zehn Künstlern wurden durch die Stiftung in Absprache mit dem Museum erworben und bleiben diesem als Dauerleihgaben erhalten. Sie treten jetzt in Dialog mit den Beständen. Kurator Andreas Schalhorn hat eine stimmige Schau aus über 90 abstrakten, konzeptuellen Zeichnungen zusammengestellt. In Themengruppen wie „Weltentwurf“ oder „Zeichnung als Material“ inspirieren sich die Arbeiten gegenseitig. „System und Sinnlichkeit“, so der Ausstellungstitel, zeigt Werke, die alle per Hand gefertigt wurden, auch wenn manche wie maschinell gemacht wirken. Das Geflirre in acht Farben von Altmeisterin Channa Horwitz etwa.

Ihr „Flowing 1“ auf Millimeterpapier bezeugt mindestens so viel dynamische Obsession, pingelige Präzision und erhöhte Konzentration wie Claude Heaths „Universe“ (Abb.) oder die neueren Partituren von Jorinde Voigt. Auch weniger bekannte Künstler sind zu entdecken, so Jenny Michels poetisch-technische Regelwerke oder die Stift-Exerzitien von Ignacio ­Uriarte, der vom Bürohengst zum Künstler mutierte. Mit dem iPhone lassen sich die zarten, oft spröden Gebilde nicht übermitteln. Sie fordern den geduldigen Betrachter, der viel Willen zur Versenkung mitbringt und keine plakativen Ergüsse erwartet. Wer die Herausforderung annimmt, dem bietet dieser Kosmos zeitgenössischer Zeichenkunst aber ein Erkenntnispotenzial, dem durchaus auch ein sinnliches Vergnügen innewohnt.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Claude Heath / Claude Heath, London / Sammlung Schering Stiftung im Kupferstichkabinett. Staatliche Museen zu Berlin / Coutesy fruehsorge contempory drawings (Detail)

tip-Bewertung: Sehenswert

System und Sinnlichkeit  Kupferstichkabinett am Kulturforum, bis 4.8.

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