Ausstellungen

Tadeusz Kantor im Polnischen Institut Berlin

Tadeusz Kantor im Polnischen Institut Berlin

Surrealismus, Aktionskunst, Happening, absurdes Theater. Für all das steht Tadeusz Kantor. Vor 100 Jahren wurde der avantgardistische Theatermacher geboren. Dass er Maler war und ein komplexes, medienübergreifendes Werk hinterließ, thematisiert die Ausstellung „Inbetween Structures“. Die Galerie des Polnischen Instituts präsentiert das wenig bekannte Frühwerk des Grenzüberschreiters – und neben Malerei, Zeichnung und Collagen den lange verschollen geglaubten Experimentalfilm „Achtung…Malerei!“ Er begleitet das Entstehen eines abstrakten Bildes. Die Farbe ist im Fluss, so wie für den zweifachen Documentateilnehmer das Kunstwerk ein ständiger Prozess war und nie fertig.
Von unsichtbarer Hand schwungvoll auf den Bildträger gekleckst und gespritzt, entsteht ein sich permanent veränderndes, vielschichtiges Bild. Minutiöse Zeichnungen, die den Film vorbereiteten, zeigen, dass das Chaos dennoch geplant war. Gemälde belegen Kantors Sinn fürs Existentielle, der sich aus dem  Experimentellen letztlich herausschält. „Die Abstraktion ist das einzige Abführmittel für diese unreine Natur der Materie“, sagte er einmal.
Aus dicken, erdigen Farbwülsten scheint ein dunkles Auge auf den Besucher gerichtet. Fast 20 Jahre später entstand der fantasievolle „Monsieur Anonyme“ – ein Stück auf die Leinwand montiertes Holz, aus dem sich eine Art Luftgeist erhebt. So frei wie der unruhige Geist dieses besonderen Künstlers, dessen Theaterstück „Die tote Klasse“ in ganz Europa berühmt wurde und auch als Skulptur in der Pinakothek der Moderne steht. In Berlin gab es bislang noch keine Gelegenheit, auf Kantors Wurzeln als Bildender Künstler zu blicken.    


Text:
Andrea Hilgenstock

Foto: Marcin Zastrozny / Polnisches Institut Berlin

Polnisches Institut Berlin Burgstr. 27, Mitte, Di–Fr 10–18 Uhr, bis 15.11.

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