Ausstellungen

„Tanz der Ahnen“ im Martin-Gropius-Bau

Den Fluss Sepik in Papua-Neuguinea werden die wenigsten kennen. Früher, während der kurzen deutschen Kolonialzeit in diesem entlegenen Winkel der Welt, trug er den Namen „Kaiserin-Augusta-Fluss“.
Etwa 220 Kunstwerke vom Mittel- und Unterlauf des Sepik, an dessen Ufern 90 verschiedene Sprachen gesprochen werden, sind jetzt in der „Tanz der Ahnen“ betitelten Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Einige davon stammen aus einer zweijährigen Expedition von Vertretern des Deutschen Kaiserreichs ins damalige Deutsch-Neu­guinea in den Jahren 1912/13, deren Ergebnisse bis heute nur teilweise ausgewertet werden konnten. Unter diesen Expeditions­schätzen ist ein reich verziertes, etwa vier Meter langes Küstenschiff, mit dem die Menschen am Sepik früher Handel mit den vorgelagerten Inseln betrieben. Nach Jahrzehnten im Magazin des Ethnologischen Museums wird es jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und zusammen mit Exponaten aus insgesamt zwölf europäischen Museen ausgestellt. Kurator Markus Schindlbeck, der die Ausstellung zusammen mit Philippe Peltier vom Musйe du quai Branly in Paris konzipiert hat, kennt die abgelegene Region von zwei Expeditionen in den 70er- und frühen 80er-Jahren: „Wenn man dort unten in einen Wald oder in einen Sumpf geht, gibt es überall Stellen, die auf Ahnen hinweisen. Die Landschaft, die Pflanzen, überall ist für die Einheimischen die Präsenz ihrer Vorfahren gegenwärtig. Ohne sie wäre ihre Lebens­umwelt so nicht.“ So sei auch der Titel der Ausstellung, „Tanz der Ahnen“, entstanden.
SepikIn der Vorstellungs­welt dieser Völker sind die Dinge nicht statisch. Um den Besuchern diese fremde Welt näherzubringen, ist die Ausstellung wie eine Reise in eines der Dörfer am Sepik konzipiert. Der erste Raum ist ganz dem Fluss gewidmet, der eine zentrale Rolle in der Region spielt. Als Nahrungs­lieferant, aber natürlich auch als Trans­portweg, der bis heute den einzigen Zugang zu den Dörfern darstellt.
Danach folgt der Besucher im Gropius-Bau dem Weg eines Besuchers vor Ort in die Familienhäuser, in denen traditionell Frauen und Kinder leben. Dann geht es weiter in das Männerhaus, das den bereits initiierten Männern vorbehalten ist. Hier werden auch rituelle Gegenstände der Dörfer sowie die Instrumente aufbewahrt, die während der Ahnentänze gespielt werden. Die Tänze selbst werden auf dem zentralen Tanzplatz vor den Männerhäusern abgehalten, um den sich zu solchen Anlässen das ganze Dorf gruppiert. Der Platz ist dem Flussbett des Sepik nachempfunden. Bei diesen Tänzen spielen auch die Masken, für die die Völker der Sepik-Region wegen deren Vielfalt und Ausdrucks­kraft besonders bekannt sind, eine zentrale Rolle. Ihnen ist in der Ausstellung folgerichtig auch ein eigener Raum gewidmet. Die Masken, wie auch die Schnitzwerke und Skulpturen, die in der Ausstellung gezeigt werden, waren ursprünglich alle farbig bemalt. Heute sind nur noch bei manchen Exponaten Reste zu erkennen – ohne Fixierung konnte die Farbe der Zeit nur schlecht standhalten. Das tut der Inszenierung aber keinen Abbruch. Der Besucher kann nicht nur die ästhetisch spannenden Exponate betrachten, die nicht umsonst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bei Sammlern begehrt sind, sondern sich auch der fremden Welt des Sepik-Gebietes annähern. Ein ganz besonders exquisites Exponat ist eine mit überlappenden Federn in einem irisierenden Muster verzierte Holzplatte, die ebenso schön wie hochmodern wirkt und die für sich genommen schon eine lohnende Entdeckung ist.     

Text:
Philipp Koch

Foto: Martin Franken/ SMB, Ethnologisches Museum/  Claude Germain, Museum der Kulturen Basel

Martin-Gropius-Bau Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr, 18.3.–14.6.

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