Tape Art

Tape Art Convention in der Galerie Neurotitan

Die Kunst des Klebens: Die Urban Art hat viele Richtungen, eine davon ist: Wandbilder aus Klebeband. Nun gibt es die erste Tape Art Convention  

Max Zorn: Golden Haze

Wer die Prinzenstraße inn Kreuzberg entlangfährt, der kann das neonfarbene Street-Art-Bild, das dort an einer Brandmauer überm Ritter Butzke prangt, kaum übersehen: Es zeigt einen Breakdancer und weist auf die Tanzschule Flying Steps in der angrenzenden Lobeckstraße hin. Was wohl die wenigsten ahnen: Obwohl es aussieht wie ein Graffiti, ist bei dem Werk keine Spraydose im Einsatz gewesen. Vielmehr besteht es aus farbigem Klebeband und ist damit nur eines von vielen Tape-Art-Werken, die man in der Stadt entdeckt, wenn man mal genauer hinschaut. Seit fünf Jahren klebt das Bild an seinem Platz – witterungsbeständig und farbintensiv.

Einen Katzensprung davon entfernt, in der Ritterstraße, liegt mit dem Klebeland das Paradies für jeden Tape-Art-Künstler. Geschäftsführer Mohamed Ghouneim bietet dort seit 2008 Klebeband in allen erdenklichen Farben und Breiten an –was bei der Geschäftsgründung so noch nicht abzusehen war. Die relativ junge Kunstform Tape Art hat ihren Ursprung zwar in den 1960er-Jahren, als sie als Alternative zur Spraydose entdeckt wurde,  die Entwicklung hin zur ernstzunehmenden Kunstform hat aber erst in den letzten Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Dabei ist die Idee, aus einem Alltagsobjekt wie Klebeband Kunst herzustellen, naheliegend: Das Tape ist einfach zu verarbeiten, flexibel im Einsatz, vielseitig zu verwenden und außerdem rückstandslos entfernbar. Obwohl dieser Umstand vor allem bei Streetart vorteilhaft ist, sind die prägenden Künstler der Tape-Art-Szene längst nicht mehr nur ehemalige Sprayer, sondern genauso auch Menschen, die eine klassische Kunstausbildung genossen haben.

Mit dem Klebeband können sowohl dreidimensionale raumgreifende Skulpturen erschaffen als auch gemäldehafte Bilder kreiert werden. Die lineare Form ist die einfachste Art der Verwendung. Die Materialwahl beinhaltet also auch eine Begrenzung der Möglichkeiten. Für Stefan Busch vom Berliner Kollektiv „tape that“ liegt darin aber auch eine schöne Herausforderung: „Man muss mit dem arbeiten, was man hat – das fördert die Kreativität“. Dass der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt sind und Tape Art keine Nische bildet, zeigt auch der Fakt, dass schon große Firmen wie Adidas und Panasonic das Kollektiv für Werbekampagnen und Locationdesign angeheuert haben.
Da ist es nur logisch, dass Stefan Busch und Kollegen nun zur ersten Tape-Art-Convention laden. Dass das Phänomen Tape Art kein lokales ist, zeigt ein Blick auf die teilnehmenden Künstler: Internationale Gäste aus fünf Ländern werden ihre Arbeiten in der Galerie Neurotitan und damit an einem der wichtigsten Orte für Streetart präsentieren und Interessierte in Workshops an ihrem künstlerischen Know-how teilhaben lassen.

Besucher der Gruppenschau werden Bilder sehen, von denen kaum zu glauben ist, dass sie aus Klebeband bestehen: Etwa bei Max Zorn aus den Niederlanden, der ausschließlich mit ordinärem Paketklebeband arbeitet. Seine Bilder muten an wie Filmstills aus Klassikern wie „Casablanca“ und erhalten durch die braune Farbe des Klebebandes den passenden nostalgischen Sepia-Touch. Was er als Straßenkunst an Laternen im öffentlichen Stadtbild begonnen hat, zeigt er heute auf Kunstmessen wie der Art Basel Miami. Tape Art gehört eben nicht nur auf die Straße.

Tape Art Convention Neurotitan Galerie, Rosenthaler Str. 39, Mitte, 8.10.–5.11., Eintritt auf Spendenbasis, Mo-Sa 12-20 Uhr www.tapeartconvention.com

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