Ausstellungen

Teil Zwei: Atelierbesuch bei Andrй Butzer

AndreButzer_c_Roman_Maerz_Galerie_Guido_WSeine ersten Ausstellungen in der Galerie Baudach und bei Max Hetzler waren umfassende Misserfolge. Kritiker beurteilten Butzers Werke als reaktionär und dilettantisch, sogar sinnlos. Andere Künstler al¬lerdings entdeckten den Maler für sich, darunter Albert Oehlen. Es folgten Sammler, die Butzers Arbeit als progressiv, post-konzeptuell und provokant wahrnahmen. Butzer hat seit den 90er-Jahren ungefähr 700 Gemälde gemalt, die mehrheitlich verkauft und in wichtigen Sammlungen untergebracht sind. Auch Charles Saatchi kaufte in den 90er-Jahren seine Werke. Sie sind in der aktuellen Londoner Ausstellung neben Arbeiten von Isa Genzken, Jeppe Hein und Corinne Wasmuth zu sehen. Butzer hatte keinerlei Einfluss darauf, was Saatchi zeigt. Dass die Werke im Anschluss wieder auf den Markt kommen und im besten Fall seinen Wert steigern, kann ihm aber nicht unrecht sein.

Die Saatchi-Schau will die Frage klären, wie es um die Idee vom Gesamtkunstwerk in Deutschland stehe. Allerdings bezeichnete das Kunstmagazin „Monopol“ das als „musealen Bluff“. Im „Guardian“ kam Butzer nicht gut weg: Er sei ein Künstler, der ganz bestimmt nicht gemocht werden will. Fest steht, ein Künstler, der sich die Mechanismen des Marktes zu eigen macht, ist nicht unbedingt beliebt. Butzer steuert und verwaltet seine eigene Produktion mit der Akribie eines global agierenden mittelständischen Unternehmers. Aus rein ästhetischer Sicht würde niemand einen Butzer an die Wand hängen. Er ist, technisch gesehen, kein besonders guter Maler. Doch eines muss man ihm lassen: Er trifft mit seiner Kunst ziemlich genau den Zeitgeist. Dafür kann man ihn mögen oder nicht.

Butzer bezeichnet seinen Stil selbst als Science-Fiction-Expressionismus. Seine Bilder sind quasi gattungslos. Alles ist bewusst offen gehalten. Es werden keine linearen Geschichten erzählt, stattdessen wird ein Thema in ausgedehnten Serien variiert. Der Maler nimmt oft Bezug auf Persönlichkeiten wie Henry Ford oder Walt Disney, die eine Kultur der industrialisierten Massenproduktion in der Wirtschaft wie in der Unterhaltungsbranche geprägt haben. Damit schlägt er eine Brücke zum Readymade und zur Pop-Art. Und Butzer bedient sich gern weiter Assoziationsfelder und aller möglichen Stile und Techniken. Er spannt mit seinen Arbeiten einen großen Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Realität und Utopie, zwischen Expressionismus und Comic. Letztlich wirken die grotesken Übereinanderschichtungen und dichten Paletten üppiger Farben wie ein Don Quichottisches Streben nach Sinn.

Bei der Betitelung seiner Werke setzt Butzer oft Zweideutigkeit oder Ironie ein und vermischt gekonnt Wort- und Bildassoziationen. Im letzten Jahr überschrieb er seine erste große Einzelausstellung in der Kestnergesellschaft in Hannover, angelehnt an die Carlsberg-Bierwerbung, mit „Der wahrscheinlich beste abstrakte Maler der Welt.“ Die aktuellen Bilder tragen keine Titel mehr. „Vor einem Jahr habe ich den letzten Titel vergeben“, sagt Butzer. „Früher erfand ich die irrsinnigsten Titel. Umso dramatischer wirkt es, heute keine mehr zu vergeben.“ Butzer wirkt wie ein Antipode zu seinen Bildern. Er ist weder provokant, noch schwer greifbar, sondern sympathisch und ein wenig schräg. Als der Fotograf Butzer in einer alltäglichen Handlung ablichten möchte, greift der Künstler spontan zum kanariengelben Staubsauger und bearbeitet den Boden damit. Eine Aktion nicht ohne ironische Hintergedanken. „Das hätten wir auch erledigt“, sagt Butzer beim Ausschalten des Geräts und verweist auf Jeff Koons, der in den 80er-Jahren Staubsauger der Firma Hoover in Vitrinen ausstellte und die Serie als dreidimensionale Malerei bezeichnete. Jede auf naivem Ernst basierende Kritik an der Mission eines Künstlers wie Butzer läuft bei solch entwaffnenden Aktionen zwangsläufig ins Leere. 1

Andrй Butzer Galerie Guido W. Baudach, Oudenarder Straße 16–20, Wedding,
Di–Sa 11–18 Uhr, 17.1.–10.3.2012

Text: Laila Niklaus
Fotos: Oliver Wolff, Roman Maerz Galerie/Guido W

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