Fotografie

„The DNA of History“ in der Galerie Pankow

Sabine von Breunigs Fotos zeigen die Atmosphäre verlassener Räume im Dazwischen

Sabine von Breunig: Ludwig-Hoffmann-Quartier  | Haus 118-121
Sabine von Breunig: Ludwig-Hoffmann-Quartier | Haus 118-121

Ein Hauch von piefigem Luxus liegt noch immer in der leeren Empfangshalle, dem Festsaal mit abgenagten Kronleuchtern und dem Arztzimmer mit holzgetäfelten Wänden und verblasstem ­königsblauen Teppichboden. Die Formeln an der Kreidetafel des Hörsaals mit den herausgerupften Heizkörpern und dem demolierten Fußboden scheinen von einer eilig aufgebrochenen Studiengesellschaft zu stammen. Sabine von Breunig, Journalistin und ehemalige Meisterschülerin des Fotografen Arno Fischer, hat zwischen 2013 und 2015 die verlassenen Gebäude der Klinik in ­Berlin-Buch fotografiert und sich mit den historischen Schichtungen dieses Ambientes aus­einandergesetzt.
Das ehemals märkische Dorf Buch wurde 1909 für die aus allen Nähten platzende Großstadt zu einem Hauptort der Berliner Medizingeschichte. Hier ließ der damalige Architekt und Stadtbaurat Ludwig Hoffmann mit humanistischem Engagement ein weitläufiges Krankenhausareal errichten, das nach dem Ersten Weltkrieg zum Kriegslazarett wurde und in dem zur Zeit des Nationalsozialismus die schrecklichsten Verbrechen an „Ballast­existenzen“ stattfanden. In den 1970er Jahren ließ die DDR-Regierung dort zwei Neubauten für die Krankenversorgung der SED-Eliten und Stasi­mitarbeiter bauen.
Sabine von Breunig interessieren vor allem die Zwischenzustände, in denen sich Vergangenes mit Gegenwärtigem und dem erwarteten Neuen zu einer aufgeladenen Atmosphäre verwandelt. Ihre Fotos der geradezu malerisch belichteten verfallenen Räume verursachen gleichzeitig Entzücken und Grusel.

The DNA of History Galerie Pankow, Breite Str. 8, Pankow, Di – Fr 12 – 20 Uhr, Sa+So 14 – 20 Uhr, bis 5.3.

Bewertungspunkte2

Mehr über Cookies erfahren