Gruppenausstellung

„The World on Paper“ im Palais Populaire

Im Palais Populaire, dem ehemaligen Operncafé, zeigt die Deutsche Bank Kunstsammlung, was sie hat. Zur Eröffnung ist Kunst im Übermaß gehängt, aber das neue Haus ist in jedem Fall ­bereits Stadtgespräch

Copyright: © Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig / Berlin and Zwirner, New York / London / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Cremig leuchtet die Fassade des Prinzessinnenpalais unter den Linden in seiner spätbarocken Herrlichkeit. Jahrzehntelang war dieses Haus Sitz des ebenso bekannten wie plüschigen Operncafés – aber innen ist es ab jetzt vorbei mit Rokoko-Rüschen. Denn die Deutsche Bank hat für ihre neu aufgestellte Kunstschiene das komplette Gebäude von jeder Kuscheligkeit befreien lassen. Das damit betraute Architekturbüro Kuehn Malvezzi ging dabei soweit, das jetzt Palais Populaire genannte Haus nicht nur zu leeren, sondern es bis auf die Grundmauern zu entkernen.

Zu Tage kamen, und sind jetzt Teil des sichtbaren Konzepts, unter anderem die Stahl­unterzüge des Architekten Richard Paulick. Er hat in den 1960er-Jahren das Gebäude im Sinne eines sozialistischen Midcentury-Stils rekonstruiert, nachdem er bereits zehn Jahre zuvor die angrenzende Staatsoper wiederaufgebaut hatte. Mit dieser Mischung aus Rück- und Neubau und dem Einsatz von viel Grau, hartem Weiß und Lichtröhren statt Cremetorten-Tönen und Kronleuchtern sollen Licht und Luft ins Haus fließen. Im Erdgeschoss, wo wieder Café und Kuchen angeboten werden, ist das auch gut zu erkennen.

Was die neue Architektur in den Ausstellungsräumen wirklich kann, lässt sich dagegen noch nicht so richtig sagen, und das hat mit der ersten Ausstellung zu tun. Für „The World on Paper“ hatte der Chefkurator der Deutschen Bank, Friedhelm Hütte, wohl dermaßen die Qual der Wahl in seiner 15.000 Exponate umfassenden Sammlung, dass es ihn ein bisschen davongetragen hat. Mit anderen Worten: Die Kunst ist so dicht gehängt, dass man die Polkes, Rauchs, Richters, Beuys, Kippenbergers, Genzkens oder Darbovens zwar sieht, aber Pro­bleme mit der Rezeption bekommt. Das gilt vor allem im Obergeschoss, das zusätzlich zu den gegebenen niedrigen Deckenverhältnissen mit Stellwänden verengt wurde, die aber zum Glück modularer Natur sind.

Was jede einzelne Position der 130 ausgestellten Künstler*innen wirklich kann, wird erst so richtig deutlich, wenn sie, wie Anish Kapoors „Untitled“ oder William Kentridges Aufarbeitung des Herero Völkermordes mal eine ganze Wand für sich bekommen. Und was das Haus ausstellungstechnisch drauf hat, deutet sich im Moment nur in der Rotunde an. Dort ist mit Zilla Leuteneggers „Moondiver II“ eine Installation zu sehen, die Haus und Kunst vereint. Das lässt hoffen für die kommende Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Tate Gallery Skulpturen zeigen wird. Dennoch sollte der aktuelle Overload an Kunst niemanden von einem Besuch des Hauses abhalten – gerade während der zeitgenössisch aufgestellten Berlin Art Week wird es wenig Orte geben, wo soviel klassischer Kunstkanon zu sehen ist.

The World on Paper im Palais Populaire, Unter den Linden 5, Mitte, Eintritt 9 €, Mo frei, bis 7.1.2019

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