Ausstellungen

Thomas Schütte im me Collectors Room Berlin

Thomas Schütte

Im Skulpturengarten hinter dem Museum Berggruen rangeln zwei Riesen. Die spektakulären „United Enemies“, die sich da so anspielungsreich auf einem quadratischen Rasenstück in die Wolle kriegen, stammen von Thomas Schütte. Seine Werke beflügeln die Sammler. Neben Nicolas Berggruen und Friedrich Christian Flick auch den Essener Arzt und Chemiker Thomas Olbricht.
Im me Collectors Room breitet Olbricht nun seine Schütte-Schätze aus. Vor allem das druckgrafische Werk des mehrfachen documenta-Teilnehmers lernt man kennen – mit über 200 Grafiken von den 80er-Jahren bis heute eine weniger bekannte Seite des Künstlers. Seit rund 30 Jahren steuert Schütte, dessen erklärtes Ziel es ist, nicht zu langweilen, auf Erfolgskurs. 2005 erhielt er den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig. Er gehöre nicht zu den Leuten, die jeden Tag dasselbe machen, sagt er. Auch nicht zu jenen, die über Jahre an der Form feilen. Es gebe zwar eiserne Regeln des Kunstschaffens, aber man dürfe sie nicht monoman und zu pathetisch auffassen.
Architekturmodelle, Installationen, Fotos, Grafiken, Gemälde, Keramiken, Zeichnungen und Skulpturen bezeugen seine Vielseitigkeit. Der 58-Jährige wählt unterschiedliche Materialien, aber auch eine Vielfalt von Haltungen und Gesten und damit die Psychologisierung seiner Figuren. Kleine „Wichte“ und „Große Geister“, gut dreieinhalb Meter hohe Skulpturen, sind sein Markenzeichen.
Auch jenseits dieser überlebensgroßen Bronzen tauchen gnomartige Fratzen auf. Schütte verpasst „Alten Freunden“ ein ulkiges Aussehen. Mit den Damen geht er charmanter um. „Gisela“ erscheint in einer virtuosen Kaltnadelradierung individuell charakterisiert als zögerliche Person. Die Radierung „Frau Nr. 1“ zeigt hingegen keinen Einblick in ihr Wesen, sondern dralle Schenkel.
Nicht nur in dieser Aktdarstellung sitzt jeder Strich. Die Grafiken sind eine Entdeckung! Es handelt sich keineswegs um sekundäre Werke, vielmehr gehen Schüttes bevorzugte Motive aus fotografischen, skulpturalen oder architektonischen Arbeitenauch in die Druckwerke ein. Dort nehmen sie selbstständige Formen an, etwa in den neuen, großformatigen Farb-Holzschnitten.
„Einfach machen, mit der Hand und dem Körper – der sagt dann, wann es gut ist“, sagt Schütte. Ein Bekenntnis zum Handwerk im digitalen Zeitalter! „Nach drei Sekunden Videobildchen und Dunkelkammer und muffigem Teppichboden breche ich ab … Ich gehe sofort weg, weil die Virtualität mich nicht
interessiert. Ich glaube, dass ein Kratzer in einer Kupferplatte und ein Fingerabdruck im Ton oder verbranntes Styropor einfach toll sind.“
Was Schütte interessiert, ist „genau das, was in unserer Studienzeit immer verboten war: Handschrift, Finger, Körper, etwas Eigenes“. Konsequent führt er das nun vor. Nicht ohne Humor erscheinen seine prägnanten Werke. Die „Bronzefrau III“ (1998) hat ihren Körper so gefaltet, dass sie aussieht wie ein Frosch auf der Startrampe.
Thomas Olbricht begeistert sich seit Ende der 90er-Jahre für Schüttes Werk. Zum Fan sei
er geworden, als er die großen Bronze- und Stahlfrauen für sich entdeckte. Der Liebling in seiner Sammlung ist allerdings der „Pope“ aus Keramik. Eine eigenartige Darstellung voller Widersprüche. Kein richtiges Porträt. Schon gar nicht der Papst persönlich. Dafür aber so ein seltsamer Schütte-Geselle, der die Imagination anregt.

Text: Andrea Hilgenstock

Bild: Thomas Schütte / VG Bild-Kunst, Bonn 2013

„Schöne Grüße Thomas Schütte?„, me Collectors Room, Auguststraße 68, ?Mitte, Di–So 12–18 Uhr, 14.9.–23.3.2014

Verlosung 5 x 2 Freikarten: ?E-Mail mit Kennwort „Schütte“ bitte bis ?13.9. an [email protected]

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