Kommentar

„Tier & wir“ von Iris Braun

Katzen, die Regenmäntelchen tragen, auf der einen Seite, siechende Tiere in Massenbetrieben auf der anderen –  über die Ambivalenz des Menschen in seiner Beziehung zu Tieren lässt sich viel sagen

Iris Braun

Über seine Möglichkeiten, sie zu Karikaturen oder zu gequälten Objekten zu machen, auch. Nicht umsonst ist die Mensch-Tier-Beziehung eines der aktuellsten Kunstthemen, die NGBK zeigt mit „Animal Lovers“ gerade gute Arbeiten dazu (siehe S. 74). Außerhalb dieses Diskurses sind aber auch lebende Tiere in der Kunst Thema. Carsten Höller hat Rentiere in den Hamburger Bahnhof gebracht, Anne Imhof dort vor kurzem in einer Performance Falken eingesetzt. Beide Aktionen waren wohl tierschutzrechtlich abgesichert, aber zurück blieb ein ungutes Gefühl. Denn aus der Sicht des Falken dürfte eine menschenvolle und mit Kunstnebel verhangene Halle nicht der ideale Aufenthaltsort sein.
Bleibt die Frage, ob Tiere, die Teil einer solchen Performance sind, wirklich Schaden nehmen. Ebenso wie sich die Frage stellt, ob Tiere, die ein Regenmäntelchen tragen, ähnlich leiden wie Artgenossen, denen das Fell bei lebendigem Leib über die Ohren gezogen wird. Die Antwort ist sicher „nein“. Aber wenn es um die Frage geht, ob sich der Mensch hier, auch im Rahmen einer Kunstaktion, ermächtigt und das Tier zum Objekt degradiert, muss die Antwort „ja“ lauten. Und hier setzt die Ausstellung „Animal Lovers“ an, bei der menschlichen Hybris. Lebende Tiere sind in der NGBK auf jeden Fall nicht zu erwarten.

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