Ausstellungen

„Tobias Zielony: Manitoba“ im KOW Berlin

Tobias_ZIelony_and_KOW„Beware, you are now in Central“ steht auf eine Hauswand geschrieben. Central ist ein Viertel von Winnipeg, Hauptstadt der kanadischen Provinz Manitoba und Schauplatz der neuen Serie des deutschen Fotografen Tobias Zielony. Seine Arbeiten zeigen junge Männer und Frauen auf den Straßen ihrer Stadt. Einige präsentieren Gang-Zeichen oder Narben auf ihren Körpern. Andere blicken einfach in die Kamera:  interessiert, gelangweilt oder aggressiv. Zielonys Werk changiert stets zwischen Kunst- und Dokumentarfotografie. Er fährt in die armen Vorstädte dieser Welt, baut Vertrauensverhältnisse mit den Jugendlichen dort auf und fotografiert sie, fernab von Klischees und sozialen Appellen. „Manitoba“, zu dem auch ein Hörspiel und ein Kurzfilm gehören, ist politischer als seine vorherigen Projekte. Denn die Jugendlichen auf den Bildern sind Nachkommen der Ureinwohner Kanadas und ihre Geschichte ist eine schreckliche. Bis 1996 wurden 250000 indigene Kinder in Residential Schools systematisch von ihrer Kultur abgeschnitten. Sexueller Missbrauch und Zwangssterilisation waren üblich, Tausende Kinder starben in den Internaten. Zwischen den Bildern von den Jugendlichen sind immer wieder Fotografien aus dem Manitoba Museum zu sehen, ein scharfer Kontrast zwischen den Kriegern im Federschmuck und der Tristesse der Straßengangs. Doch Zielony zeigt nicht nur Elend und Gewalt, sondern auch junge Indianer, die stolz sind auf ihre Herkunft. Es gibt keine eindeutigen Opfer oder Täter – nur Impressionen und Einlass in eine Welt, zu der ein Zutritt normalerweise verwehrt bleibt.

Text: Inga Barthels

Foto: Tobias Zielony and KOW

tip-Bewertung: Sehenswert

„Tobias Zielony: Manitoba“ KOW Berlin, Brunnenstraße 9, Mitte, Mi–So 12–18 Uhr, bis 15.4.

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