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„Transaktion. Über den Wert künstlerischer Arbeit“ im Haus am Lützowplatz

Ziemlich undurchsichtig: Wie entsteht Wert in der Kunst, finanziell wie ideell? Über diese Frage machen sich Künstler in der Ausstellung „Transaktion. Über den Wert künstlerischer Arbeit“ im Haus am Lützowplatz Gedanken

Pilvi Takala The Trainee, 2008 Video Courtesy Helsinki Contemporary

Der Kunstmarkt ist ein seltsames und scheues Wesen. Die inneren Gesetzmäßigkeiten dieser Welt bleiben der Öffentlichkeit zumeist verborgen. Ob auf Auktionen, Biennalen oder auch der Documenta: Die Zumessung von Wert, ganz gleich ob künstlerisch oder monetär, ist häufig genug unklar. Wieso diese Künstler und nicht jene? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist und viel mit Zugang und Moden zu tun hat, gegen die auch die Kunstwelt nicht immun ist. Gleichzeitig regt dieser undurchdringlich-dschungelartige Zustand Künstler immer wieder zu einer Auseinandersetzung an, der sich die von Marc Wellmann kuratierte Ausstellung „Transaktionen“ widmet.

„Wir versuchen mit den versammelten Werken Ansätze und Zwischentöne zu zeigen, die die Beziehung zwischen Ökonomie und Kunst aufgreifen und durchaus disparat zur Diskussion stellen“, erklärt Wellmann. „Ein schon früh während der Konzeptionsphase gesetzter Künstler ist der Kanadier Joshua Schwebel. Seine Arbeit ‚Entitlement‘ vermietet die ihm zur Verfügung gestellte Ausstellungsfläche an einen anderen Künstler weiter.“ Zu dieser Vermietung gab es eine von Schwebel in verschiedenen sozialen Medien verbreitete Ausschreibung, die  eine intensive, manchmal direkt beleidigende Diskussion in den Foren zufolge hatte, deren Dokumentation ein wichtiger Bestandteil des Werkes geworden ist.

Christian Jankowskis Arbeit „The Finest Art on Water“ hingegen führt die zum Teil abwegigen Preise, den Star-Faktor und die Käuferschicht superteurer Kunstwerke ein Stück weit vor. In Zusammenarbeit mit der italienischen Luxus-Werft Riva erklärt er zwei ihrer Yachten zu Kunstwerken. Das kleine Rennboot heißt Christian, die Megayacht Jankowski. Und natürlich sollen sie ein Drittel mehr kosten, als wenn sie kein Kunstwerk wären, obwohl der Künstler nichts an ihnen verändert hat. Die Arbeit stellt damit gleich auf mehreren Ebenen Fragen nach Wert, Werk und danach, was Kunst überhaupt ist – nur der Autor und seine Bekanntheit oder doch ein Artefakt, das hier ja in gewisser Weise gar nicht existiert?
Eine ganz andere Auseinandersetzung mit dem „Wert“ künstlerischer Arbeit zeigt Michael Sailstorfers Arbeit „Pulheim gräbt“. 2009 vergrub der Künstler auf einer Brache in der Stadt Pulheim 28 Goldbarren im Gesamtwert von 10.000 Euro. Auf einer Pressekonferenz mit den städtischen Offiziellen wurde dies öffentlich bekannt gegeben – samt dem Fakt, dass die potentiellen Goldsucher mit Videokameras dokumentiert werden würden. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Brache von den Pulheimern komplett umgegraben. Es ist nicht bekannt, ob sie alle Goldbarren gefunden haben. Dafür ist diese Videoarbeit ein humorvolles Dokument der Gier nach Gold.

Spannend ist auch das Kollektiv Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise. Dieses vom Künstler Renzo Martens initiierte Projekt hat aus kongolesischen Plantagenarbeitern Akteure auf dem internationalen Kunstmarkt gemacht, die es mit ihren in Schokolade gegossenen Skulpturen dieses Jahr auf die Armory Show in New York geschafft haben und die – anders als viele Künstler in Europa – gut von ihrer künstlerischen Arbeit leben können.

Haus am Lützowplatz Lützowplatz 9, Tiergarten, Di–So 11–18 Uhr, 1.6.–20.8.

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