Ausstellungen

Transmediale.11 im Haus der Kulturen der Welt

transmediale„Wir sind mit der ganzen Menschheit verflochten und die ganze Menschheit mit uns.“ Das sagte der Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan bereits vor etwa 50 Jahren. Heute bestimmt diese Erkenntnis mehr als je zuvor unseren Alltag. Und das durchaus nicht nur im positiven Sinne. Die Kontroversen um Wikileaks, Facebook und Street View haben das deutlich gezeigt. Je ausgefeilter das Internet und seine Kommunikationsmöglichkeiten werden, desto dringender stellt sich die Frage nach einem verantwortlichen Umgang. Die diesjährige Transmediale schließt an diese aktuellen Diskussionen an. Unter dem Titel Response:Ability setzen sich mehr als 150 interdisziplinäre Projekte mit der Ambivalenz der digitalen Welt, mit ihren Chancen auf der einen, den Gefahren auf der anderen Seite, auseinander. Der Kunst kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu: „Die Kunst garantiert offene Räume im Netz sowie im realen Leben. Darüber hinaus ermöglicht sie, reale mit virtuellen Welten miteinander zu verbinden“, sagt Stephen Kovats, der künstlerische Leiter des Festivals.

In besonderer Weise treffen diese Phänomene im Projekt „Graffiti Markup Language“ von Evan Roth aufeinander. Evan Roth ist einer der drei Nominierten für den Open Web Award, der zum ersten Mal stattfindet. Roth hat eine Technik entwickelt, mit der Graffiti-Künstler ihre Spraybewegungen aufzeichnen, digitalisieren und schließlich für jeden zugänglich im Netz veröffentlichen können. Eine solche offene digitale Graffiti-Sammlung ist eine tolle Idee, das Problem ist nur, dass auch die Polizei darauf zugreifen kann. Zum dritten Mal dabei ist der Filmkünstler Reynold Reynolds. Reynolds setzt seine Protagonisten meist physischen und psychischen Extremsituationen aus. Das gilt auch für seine neueste Arbeit, „The Secrets Trilogy“ (Foto), die zum ersten Mal komplett zu sehen sein wird. In den ersten beiden Teilen geht es um Zwänge, denen wir ausgesetzt sind. Der dritte Teil, „Six Easy Pieces“, basiert auf dem gleichnamigen Buch des Physikers Richard P. Feynman. Feynman ist davon überzeugt, dass nur die Technik die Natur retten kann.

Text: Katharina Wagner

Transmediale Di 1.2.–So 6.2., Programm unter www.transmediale.de

Club Transmediale 2011

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