Ausstellungen

Treptopolis statt Tacheles

Treptopolis_c_OliverWolffDieses Mal hocken sie allerdings nicht hinter den Tacheles-Toren in Mitte, sondern auf einem alten Supermarkt am Baumschulenweg, einem bisher eher kunstunverdächtigen Viertel im Südosten. Hierhin hat sich Tacheles-Mitgründer Kemal Cantürk mit seiner Abfindung vom neuen Tacheles-Besitzer vor der immer ungemütlicheren Situation an der Oranienburger Straße gerettet. Zuletzt habe er dort nur noch Touristen-Kunst gemacht und verkauft, sagt er. Fast wie am Fließband, ohne jede künstlerische Auseinandersetzung. Dieses Szenario droht sich am neuen Standort inmitten eines kleinbürgerlichen Wohnviertels nicht so schnell zu wiederholen – wenn es in Berlin einen touristensicheren Ort gibt, dann ist er hier. Andere Dinge wiederholen sich aber durchaus in dem ehemaligen HO-Markt. Das ist zum einen der Wille, aus einer baufälligen, ungenutzten Fläche einen Kunststandort mit angeschlossenem Kulturbetrieb zu machen, mit beschränkten Mitteln und hohem persönlichen Einsatz der Beteiligten.

Und zum anderen ist das die Idee, dort jungen Kulturschaffenden die Möglichkeit zu geben sich auszuprobieren. Werkstätten, Ateliers und Galerieräume sollen von möglichst vielen mitgenutzt werden. Momentan arbeiten hier neben Ex-Tacheles-Bewohnern auch Künstler aus Italien. Zusätzlich zur Kunst gibt es Theaterprojekte und Band-Auftritte, Goa-Abende und Grill-Runden. Außer mit Bratwürstchen bemüht man sich mit Kicker und Billardtisch, die Bewohner des Viertels für das Projekt einzunehmen und sie einzubinden. „Ich wünsche mir hier mehr Kiezkultur“, sagt Kemal Cantürk. Nicht alle Anwohner teilen diesen Wunsch, wie der SPD-Abgeordnete Andy Jauch, ein Förderer des Projekts, herausfinden musste: „Die meisten unterstützen uns. Aber einige Bewohner fühlen sich gestört. Wir versuchen ihnen entgegenzukommen und alles zu vermeiden, was sie weiter irritieren könnte.“ So weit, das Alien vom Dach und den Drachen aus dem Biergarten zu holen, wird man aber auch für die Anwohnerberuhigung nicht gehen. Außerdem haben ja gerade Ex-Tacheles-Künstler mit dem Aushalten von Konflikten einige Erfahrung.

Foto: Oliver Wolff

Treptopolis Rinkartstraße 18, Treptow, www.treptopolis.de

 

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