Ausstellungen

Tue Greenfort in der Berlinischen Galerie

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Die von Tue Greenfort anlässlich der Verleihung des GASAG Kunstpreises eigens für die Berlinische Galerie entworfene Installation „Erdglas“ ist ein lustvoller Reigen voller Anspielungen, Materialien, Zitate und kritischer Anmerkungen. Seine Themen sind Erdgas, die alte Funktion der Räume der Berlinischen Galerie als Glaslager und, ausgehend von diesen beiden Koordinaten Gas und Glas, aus denen er seine Materialien gewinnt, Berlin als Stadt. Gleich am Anfang der Ausstellung geht Greenfort in sehr direkter Form auf den Preisgeber ein. In einem Schaukasten hat er die Versuchsanordnung für eine Miniatur-Biogas Anlage aufgebaut. Im Laufe der Ausstellung soll sich der an das Gefäß angeschlossene Ballon langsam mit Methangas füllen – wenn das Experiment denn gelingt.

 

Der dahinter liegende lange, hohe Raum wird von Greenfort durch die Verwendung von versetzt aufgestellten Glasscheiben rhythmisiert, die jede einen Bedeutungsraum öffnet. In die erste ist mit Hilfe von Säure im Graffitistil „Wo bleibt der Verbraucher?“ geätzt: eine kritische Auseinandersetzung mit der Beziehung Konsument zu Produzent. Die Zweite trägt den englischen Text zur ständigen Ausstellung in der Berlinischen Galerie und verweist so im Ort auf den Ort zurück. Die dritte Glasscheibe versammelt eine Reihe von Artikeln über Knut. Hier wird die Rolle der Medien ebenso hinterfragt wie die zu Vermenschlichung neigende Beziehung Tier-Mensch. Dass der Eisbär zudem das Symboltier für die Klimaerwärmung wie die zentrale Werbefigur der GASAG ist, komplettiert das Ganze.

Die drei Glasscheiben ergeben im Zusammenspiel mit zwei im Raum aufgestellten alten Gaslaternen, wie sie heute noch im Berliner Stadtgebiet in Gebrauch sind, durch die entstehenden Spiegelungen eine Art Straßenszene, die von einem vertikal im Raum liegenden, quietschorange ummantelten Gasrohr geteilt wird. Das „Unsichtbare“ des unter den Straßen Gelegenen wird sichtbar gemacht und ausgestellt. Die längs der Außenwand hängenden Zettel können abgerissen und als Extraseiten dem interaktiven Ausstellungskatalog hinzugefügt werden. Fotos der Installation muss der Besucher für diesen Katalog allerdings selber machen. Dafür gibt es Kameras im Museumsshop, die man beim Kauf des Katalogs leihen kann. Die so entstehenden Fotos werden zusätzlich automatisch auf der Website des Künstlers veröffentlicht.

Text: Philipp Koch

Foto: Jirka Jansch / Tue Greenfort

tip-Bewertung: Sehenswert

Tue Greenfort Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, bis 8.4.2013

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