Ausstellungen

„Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“ in der Arena Berlin

Tutanchamun_Maske_c_semmel_concerts_gmbhUm es gleich vorweg zu sagen: Ja, es hat mich gepackt. Ich habe mich mitreißen lassen von der unerschütterlichen Hartnäckigkeit des Underdog-Archäologen Howard Carter, habe voll Spannung auf das Öffnen der Grabkammer Tutanchamuns gewartet und die kunstvoll ineinandergesteckten goldenen Särge bestaunt. Die Geschichte des Sensationsfundes ist eben sensationell gut und die Archäologie nicht erst seit den „Indiana Jones“-Filmen eine Abenteuer-Wissenschaft.

Fünf mühevolle Winter hatte Howard Carter, 1874 als Sohn eines Illustrators in London geboren, als Archäologe Autodidakt und bei seinen Grabungen auf das Geld von Lord Carnarvon angewiesen, schon vergeblich im Tal der Könige gegraben und seinen Finanzier nur mit allergrößter Mühe zu einer weiteren Grabungssaison überreden können, als die Arbeiter, nur drei Tage nach Beginn der sechsten Kampagne, eine in den Felsen gehauene Stufe freilegten. Carter findet ein unbeschädigtes Siegel, schickt ein Telegramm nach Highclere Castle, Südengland, wo Lord Carnarvon weilte, und wartete 14 unruhige Tage und Nächte auf die Ankunft seines Mäzens und dessen Tochter in Luxor.

Am 26. November 1922 dann steckt Carter eine Kerze durch das Loch zur Vorkammer des Grabes von Tutanchamun und sagt die legendären Worte: „Ich sehe wunderbare Dinge.“ So schreibt er es zumindest in sein Tagebuch. Zehn Jahre dauerte dann die Bergung der Schätze. Die Ausstellung vollzieht in ihrer Dramaturgie Carters Geschichte nach. Zunächst erzählt ein Film sein Leben. In der darauffolgenden Station entdecken die Besucher – in Gruppen, die Story dazu wird per Audio­guide erzählt – die Vorkammer, die originalgetreu nachgebaut ist. Danach folgt die Grabkammer, ebenfalls als maßstabgerechtes Replikat. Noch faszinierender als die Unmengen an Gold ist, wie kunstvoll die vier Schreine und drei Särge Tutanchamuns ineinandergeschachtelt waren, viel filigraner als jede russische Matroschka, denn Verschachtelung bedeutete im alten Ägypten Sicherheit. Und wie kompliziert es für Carter gewesen sein muss, alle Teile unbeschädigt aus der Grabkammer herauszubugsieren.

Tutanchamun_Totengott_Anubis_c_semmel_concerts_gmbhIm Anschluss an das Grab als Gesamt­ensemble können die Besucher die wichtigsten Einzelstücke aus dem Grab des 1323 vor Christus im Alter von nur 19 Jahren verstorbenen Königs noch einmal ausgiebig betrachten, die Schreine, den Sarg und die Totenmaske. Die sechs Streitwagen, den mit Intarsien aus Glas, Alabaster und Edelsteinen verzierten Thronsessel, die Schiffsmodelle für die Reise durch die Unterwelt. Die rund 1?000 Exponate sind in ägyptischen Werkstätten nachgebaut worden, mit großem Aufwand und täuschend echt. Sie werden wissenschaftlich flankiert durch Erklärungen auf Wandtäfelchen und über den Audioguide.

1 | 2 | weiter

Mehr über Cookies erfahren