Ausstellungen

„Über Grenzen“ im Haus der Kulturen der Welt

Ueber_Grenzen_HKWDrei Halbwüchsige in Kapuzenpullis haben ihm eine Art letztes Geleit gegeben. Nun liegt Snowball auf einem Bollerwagen in einem Tannenwald, sein Kopf und eine Pfote schauen unter einer karamellfarbenen Decke hervor. Snowball ist ein Hund. „Über Grenzen“ lautet der Titel einer Gemeinschaftsausstellung von Mitgliedern der Fotografen-Agentur Ostkreuz, die 1990 gegründet wurde und ihren Namen jener S-Bahnstation entlieh, die den Osten Berlins mit dem Rest der Stadt verbindet. Heute gehören der Agentur, zu deren Gründungsmitgliedern die mittlerweile verstorbene Sibylle Bergemann zählte, 18 Fotografen unterschiedlicher Länder und Generationen an. Deren Reportagen zum Thema Grenzen zeigt jetzt das Haus der Kulturen der Welt. Dabei wird sich nicht auf territoriale Grenzverläufe beschränkt, sondern einem weiter gefassten Begriff gefolgt, in dem auch gesellschaftliche Ausgrenzungen zum Gegenstand der Arbeiten wurden sowie Grenzerfahrungen im übertragenen Sinn.

So werden die EU-Grenzpolizei und die ehemalige innerdeutsche Grenze ebenso beleuchtet wie das provisorische Leben der Roma in Südosteuropa, Prostituierte und Drogenabhängige in Tel Aviv und Flüchtlinge in Deutschland. Überdies wird das Verwischen von Grenzen thematisiert. Zwischen Leben und Tod bei der Beerdigung von Snowball oder zwischen Gesundheit und Krankheit, wie es in einem weiteren Beitrag zum Ausdruck kommt. Vielen der porträtierten Menschen und Orte ist ein Leben „ad interim“ gemeinsam, eine nicht genauer definierte, provisorische Zwischenzeit. Diese kann ein Wendepunkt sein, aber auch ein ganzes Leben oder mehrere Generationen andauern. Die Stärke der Ausstellung besteht dabei in den unterschiedlichen thematischen Ansätzen und ihren zumeist lakonischen Umsetzungen, die ein Sozialpathos bewusst vermeiden.

Text: Thorsten Freigang

Foto: Espen Eichhöfer / OSTKREUZ

tip-Bewertung: Sehenswert

Über Grenzen Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Mi–Mo 11–19 Uhr, bis 30.12.

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