Ausstellungen

„The Unanswered Question. Iskele 2“ im Kunstraum Tanas

NBK_Unanswered_Question_Todosijevic_c_Jens_Ziehe_NeuerBerlinerKunstvereinEin purpurfarbener Teppich, das ruft nach Prominenz, Wichtigkeit, einem besonderen Anlass. Die kostbaren Füße der so geehrten Person sollen nicht die profane Erde berühren. Der kurdische Künstler Cengiz Tekin rollte den roten Teppich an einem anatolischen Flussufer aus. Er führt geradewegs vom Land in die Fluten, das Wasser plätschert, die Sonne lässt das kräftige Rot leuchten. Wer wird hier erwartet? Tekin beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der Realität der kurdischen Bevölkerung, mit der Stadt, in der er lebt, Diyarbakir. Rot symbolisiert auch Blut, Gewalt. Je länger der Blick auf dieser friedlichen Aufnahme ruht, desto nervöser macht der Anblick. Als hätte der rote Läufer etwas aufgesaugt, das im wahrsten Sinne des Wortes unter den Teppich gekehrt wurde. Er verbirgt etwas Gewalttätiges, Abscheuliches, das scheint immer sicherer. Aus dem friedvollen Ambiente wird ein bedrohliches Umfeld, während das Wasser leise weiterplätschert.

Das Video „Red Carpet“ von Cengiz Tekin gehört zu den Arbeiten von über 40 Künstlerinnen und Künstlern, die im Kunstraum Tanas und dem Neuen Berliner Kunstverein unter dem Titel „The Unanswered Question. Iskele 2“ zu sehen sind. „Iskele 2“ bezieht sich auf die vor 20 Jahren in den ifa-Galerien gezeigte Schau „Iskele“, bei der zum ersten Mal in Deutschland eine junge und unbekannte türkische Kunst­szene vorgestellt wurde – „Iskele“, der Anlegeplatz, wie es in der Türkei an den Fähranlegestellen zu lesen ist. Das war nach der dritten Istanbul-Biennale und läutete so etwas wie den türkischen Kunstfrühling ein. 15 Jahre später gründete die türkische Koç-Stiftung den Projektraum Tanas. „Iskele 2“, zu der Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen eingeladen wurden, könnte als eine Art Resümee der Einführung junger Kunst aus der Türkei verstanden werden.

Als Renй Block die ifa-Ausstellung 1994 kura­tierte, waren die Künstlerinnen Ayse Erkmen, Hale Tenger und Gülsün Karamustafa, die jetzt wieder dabei sind, noch unbekannt. „Für mich war damals die aufregende Entdeckung, dass in der doch sehr patriarchalischen türkischen Gesellschaft Frauen die künstlerisch radikalsten Positionen einnahmen“, so Block. Viele Namen in der Ausstellung sind uns inzwischen vertraut, so auch Halil Alt?ndere, Sener Özmen und Cengiz Tekin, die zu den Stars der türkischen Kunstszene gehören. So sei nach fünf Jahren Projekt­arbeit mit einer „Istanbuler Kunsthalle, die nun merkwürdigerweise in Berlin realisiert wurde“, wie Block es ausdrückt, das Ziel erreicht. Die Kunst aus der Türkei ist „angekommen“.

Text: Constanze Suhr

Foto: Jens Ziehe / Neuer Berliner Kunstverein

tip-Bewertung: Sehenswert

The Unanswered Question. Iskele 2 Tanas, Heidestraße 50, Tiergarten; n.b.k., Chausseestraße 128/129, Mitte; Di–So 12–18 Uhr, bis 3.11.

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