100 Jahre Groß-Berlin

Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin

Berlin ist eine unvollendete Metropole – denn eines ist klar, geplant und entwickelt wurde vor 100 Jahren genauso intensiv wie heute. Fertig ist noch lange nichts. Einen tieferen Einblick in diese Prozesse und die Auswirkungen der Eingemeindung umliegender Ortschaften, die zum Aufstieg Berlins zu einer Weltstadt führten, bietet die Ausstellung „Unvollendete Metropole“ im Kronprinzenpalais.

Darin werden die städtebaulichen Leistungen Berlins seit den Anfängen Groß-Berlins um 1920 aufgezeigt und die daraus resultierenden Potenziale der Großstadtregion Berlin-Brandenburg beleuchtet. Hier sind 12 Fotos und Dokumente aus der Ausstellung.

1. Oktober 1920: Groß-Berlin entsteht

Unvollendete Metropole: Karte von Groß-Berlin.
Karte von Groß-Berlin. Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 9054

Mit der Verschmelzung des historischen Stadtkerns mit umliegenden Städten, Landgemeinden und Gutsbezirken zu Groß-Berlin entstand an der Spree quasi über Nacht die drittgrößte Metropole der Welt. Nach London und New York.


In der Spur: Bahn-Verkehrsfrage

Unvollendete Metropole: Bahnhof Potsdam Pirschheide.
Bahnhof Potsdam Pirschheide. Foto: Harald Bodenschatz

Der Bahnhof Potsdam Pirschheide im Jahr 2020. Der ehemalige Potsdamer Hauptbahnhof gehörte in der DDR-Zeit zu den wichtigsten Stationen des äußeren Eisenbahnrings. Nach der Wiedervereinigung verlor er sein Gewicht. Die Ausstellung „Unvollendete Metropole“ setzt sich intensiv mit der Infrastruktur der Stadt auseinander. Vor allem natürlich mit der Bahn und dem öffentlichen Nahverkehr.


Nicht-Plätze und die Auto-Verkehrsfrage

Unvollendete Metropole: „Platz“ im Süden des Steglitzer Kreisels.
„Platz“ im Süden des Steglitzer Kreisels. Foto: Thomas Spier, apollovision

Die Panoramen des Fotografen Thomas Spier zeigen wichtige, aber auch kontrovers diskutierte Verkehrsknotenpunkte in Berlin. Hier den „Platz“ im Süden des Steglitzer Kreisels. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2020. Man sieht eine Fläche, die der Verteilung des Autoverkehrs dient, zugleich aber einen „Nicht-Platz“ entstehen lässt, ähnlich dem Innsbrucker Platz und dem Molkenmarkt.


Neue Stadtteile, neue Zentren

Shoppingcenter Eastgate in Marzahn.
Shoppingcenter Eastgate in Marzahn. Foto: Thomas Spier, apollovision

Das 2005 eröffnete Shoppingcenter Eastgate am westlichen Beginn der Marzahner Promenade in Kontrast zu DDR-Wohnbauten und Versorgungseinrichtungen. Marzahn gehört zu den jüngsten Großsiedlungen in Berlin und hat mit den Plattenbauten, die Wohnraum für zigtausende Bewohner bieten, den Charakter der Stadt maßgeblich geprägt. Die Siedlungen bekamen auch eigene Zentren verpasst. Das ist effektiv, aber nicht immer schön. Wir haben das Eastgate in die Liste der 12 Bausünden in Berlin aufgenommen.


Wirklich sozial? Wohnungsfrage

Unvollendete Metropole: Ehemalige Pionierschule Karlshorst, 2020.
Ehemalige Pionierschule Karlshorst, 2020. Foto: Thomas Spier, apollovision

Die Wohnungsfrage hat Berlin schon immer beschäftigt. Dafür sprechen die zahlreichen Projekte des sozialen Wohnungsbaus. Als Beispiel erörtert die Ausstellung „Unvollendete Metropole“ die Umnutzung der ehemaligen Pionierschule Karlshorst. Das in nationalsozialistischer Zeit geschaffene Militärgebiet wurde nach dem Abzug des russischen Militärs in ein Wohngebiet verwandelt, die Pionierschule allein beherbergt heute etwa 370 Wohnungen.


Die grünen Lungen der Stadt

Internationale Gartenausstellung, 2017.
Internationale Gartenausstellung, 2017. Foto: Harald Bodenschatz

Wohnen, Verkehr und Arbeiten ist nicht alles, was eine Stadt ausmacht. Vor allem die Grünanlagen sind Merkmale eines angenehmen Lebensraums. Die vielen Parks in Berlin machen die Stadt so einzigartig. Und auch die Grünflächen werden weiterentwickelt, wie etwa im Zusammenhang mit der Internationalen Gartenausstellung 2017. Damals wurde ein bereits während der DDR-Zeit angelegter Park in Marzahn weiter ausgebaut.


Wirklich sozial? Wohnungsfrage

Unvollendete Metropole: Flughafen Tempelhof, 2020.
Flughafen Tempelhof, 2020. Foto: Thomas Spier, apollovision

Berlin und seine Flughäfen, das ist eine besondere Geschichte. Seit den Anfängen Groß-Berlins gehören sie zu der Stadt dazu, vor allem natürlich Tempelhof: 1923 eröffnet und zentrumsnah gelegen wurde der Flughafen Tempelhof zur Luftdrehscheibe Europas. Ab 1936 entstand das damals größte Bauwerk der Welt. Während des Zweiten Weltkriegs war das Gelände Zwangsarbeiterlager, 1948/49 Ort der Luftbrücke. Der 1951 wiederaufgenommene zivile Flugverkehr wurde 2008 eingestellt.


Gefragt wie ungefragt: Die Planungskultur in Berlin

Straßenfest am Bundesplatz, dem Herzstück der Bundesallee, initiiert von der Initiative Bundesplatz, Oktober 2015. Foto: Postkarte, Polinna Hauck Landscape + Urbanism/Studio Amore Burke Harmel Jank GbR

Die Bundesallee ist nicht irgendeine Straße, der Bundesplatz nicht irgendein Platz. Beide fallen schon durch ihren besonderen Namen auf, sie bilden überdies eine der auffälligsten städtebaulichen Figuren im Berliner Stadtgrundriss. Sie sind beide – neben der Stadtautobahn – die eindringlichsten Zeugen des Umbaus West-Berlins zu einer autogerechten Stadt. Seit 2010 setzt sich die Initiative Bundesplatz, eine der größten Bürgerinitiativen Berlins, für die Wiederbelebung des Platzes als Aufenthaltsort, für die Eindämmung des Autoverkehrs und mittelfristig für die Aufgabe des Tunnels ein – bislang, trotz aller verbalen Unterstützung, mit begrenztem Erfolg.


Ungeliebte Hauptstadt? Schaufenster Deutschlands

Schinkels Bauakademie soll wieder im Herzen Berlins stehen.
Schinkels Bauakademie soll wieder im Herzen Berlins stehen. Foto: Thomas Spier, apollovision

Nicht nur das Stadtschloss wird in Berlin wieder an historischer Stelle neu errichtet. Auch Schinkels Bauakademie soll wieder im alten Glanz erstrahlen. Das Bauvorhaben ist ein Geschenk des Bundes an die Hauptstadt. Hier die rekonstruierte Ecke der im Zweiten Weltkrieg nur wenig zerstörten, aber 1961/62 zugunsten des Außenministeriums der DDR abgebrochenen Bauakademie. Sie gehört damit zu den Gebäuden, die aus dem Stadtbild verschwunden sind. Der ursprüngliche Bau entstand von 1832 bis 1836 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel.


Stadt und Land – zum Verhältnis von Berlin und Brandenburg

Unvollendete Metropole: Rathaus Hohen Neuendorf, rechts Altbau, links Neubau, 2019.
Rathaus Hohen Neuendorf, rechts Altbau, links Neubau, 2019. Foto: Harald Bodenschatz

Groß-Berlin konnte nur entstehen, weil zahlreiche Ortschaften, Gutsbezirke und Städte im Umland des historischen Berlins eingemeindet werden konnten. Andere blieben zwar in Brandenburg, dennoch entwickelten sie sich stets in Abhängigkeit zur Metropole.

So der 1349 erstmals erwähnte Ort Hohen Neuendorf, er geriet Ende des 19. Jahrhunderts nach Bau der Nordbahn in den Sog der Großstadt. In der NS-Zeit wurde er ausgebaut, in der DDR-Zeit erhielt er einen zusätzlichen Bahnhof am äußeren Eisenbahnring. Nach der Wiedervereinigung wuchs die Einwohnerzahl rasant. Das Zentrum umfasst Rathaus, Pagode, Hotel, Shoppingcenter. Der Ergänzungsbau des Rathauses und die Freiflächen wurden 2020 fertiggestellt.


Macht und Ohnmacht: Parade großer Pläne, Berlin bleibt die unvollendete Metropole

Plan des Provisorischen Regionalausschusses 1990.
Plan des Provisorischen Regionalausschusses 1990. Foto: Provisorischer Regionalausschuss. Planungsgruppe Potsdam: Grundlagen und Zielvorstellungen für die Entwicklung der Region Berlin. 1. Bericht – 5 / 90 – Kartenteil

Noch vor der Wiedervereinigung Berlins traf sich eine Gruppe von Fachleuten aus Ost und West. Nach ihren Empfehlungen sollte eine Zersiedelung des Umlands verhindert, Freiflächen gesichert, vorhandene Zentren gestärkt, die städtebaulichen Kulturwerte der Region erhalten, gleichwertige Lebensbedingungen erstrebt und der öffentliche Verkehr verbessert werden – und dies alles ökologisch und sozial verträglich.


Wir sind nicht allein: Blick nach Europa – Paris, Moskau, Wien, London

Unvollendete Metropole: Schemata der Stadtanlagen Berlin, Moskau, Paris, London und Wien mit Konzentration auf Hauptstraßen und Flüsse.
Schemata der Stadtanlagen Berlin, Moskau, Paris, London und Wien mit Konzentration auf Hauptstraßen und Flüsse. Illustration: bwag/wikipedia

Diese Schemata der Stadtanlagen von Berlin, Moskau, Paris, London und Wien entsprechen Darstellungen, die vermutlich von den Designern Aleksandr M. Rodčenko und Varvara F. Stepanova gestaltet und 1938 in Moskau publiziert wurden. Man kann darauf die Hauptverkehrsachsen sowie die Flüsse erkennen.


Die Ausstellung

Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, Mitte, tgl. 10-18 Uhr, 1.10. bis 3.1.2021


Lust auf noch mehr Berlin?

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