Ausstellungen

„Uruk – 5?000 Jahre Megacity“ im Pergamonmuseum

OlafM.Tessmer_StaatlicheMuseenZuBerlin_VorderasiatischesMuseumNeben dem Louvre und dem British Museum gilt das Vorderasiatische Museum in Berlin als eines der bedeutendsten Museen orientalischer Altertümer weltweit. 6?000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur des heutigen Irak, Syriens und der Türkei werden dort vermittelt. Nun erzählt eine Sonderausstellung von der Entstehung und Blütezeit der ältesten bekannten Metropole der Menschheitsgeschichte um 3000 vor Christus: Uruk. Im Pergamonmuseum wird die Geschichte der altorientalischen Megacity, die im Süden des heutigen Irak lag und zu Mesopotamien gehörte, innerhalb der ständigen Ausstellung aufgeblättert. Denn seit Eröffnung des Museums 1930 besitzt es bereits Grabungsfunde der Deutschen Orient-Gesellschaft und die Rekonstruktionen von über 5?000 Jahre alten Tonstiftfassaden der repräsentativen Großarchitektur. Diese frühesten Beispiele von Großstadtanlagen wurden virtuell ergänzt und sind nun im digitalen Zeitalter angekommen. Außerdem werden Original-Exponate gezeigt, einzelne Trümmer, die damals von deutschen Wissenschaftlern im Irak aus der Erde gezogen wurden. Sie wirken in ihrer Authentizität umso magischer. Und bis heute sind Archäologen damit beschäftigt, die ersten Zeugnisse urbanen Lebens freizulegen. Mehr als 40 Grabungskampagnen fanden im heutigen Warka statt, unterbrochen immer wieder wegen der militärischen

Auseinandersetzungen im Land. Nicht einmal fünf Prozent des riesigen Stadtgebiets konnten dabei in den vergangenen 100 Jahren erschlossen werden. Genug jedoch, um einen Eindruck vom Leben in der ersten City zu gewinnen – vom ausgeklügelten Wirtschafts- und Verwaltungssystem, den Monumentalbauten, der Schrift. Die Anfänge der Schriftentwicklung setzten im 4. Jahrtausend v. Chr. ein. Sie geben Aufschluss über Kunst und Kultur der Sumerer. Durch Tontafeln und Siegel ist die Verbreitung der Schrift im ganzen vorderasiatischen Raum belegt. Es war die erste Schrift der Menschheit, die von Uruk aus ihren Siegeszug antrat. Im Grunde war diese Stadt also bereits eine Kulturmetropole, wie man im Pergamonmuseum lernt. „Vergleicht man die Megacitys von heute mit Uruk in Mesopotamien, so sind dort bereits alle ‚urban technologies‘ für ein funktionierendes Zusammenleben voll entwickelt. Ein ausgeklügeltes Wirtschafts- und Verwaltungssystem stützt sich auf erste Schriftvorstufen, die auch weiträumigen Handel und Importe für eine rohstoffarme Region verwalten. Es entstehen Meisterleistungen der Architektur wie die ersten Wolkenkratzer – das Heiligtum Eanna (Haus des Himmels) – und eine 11,5 Kilometer lange Stadtmauer“, sagt Beate Salje, Direktorin des Vorderasiatischen Museums und Kuratorin der Sonderschau. Das Gebiet der ersten Großstadt der Menschheit war fünfeinhalb Quadratkilometer groß und beherbergte etwa 40?000 Einwohner. Sie wurden „von vermenschlichten Göttern und vergöttlichten Herrschern regiert“, so Salje.

Über all das berichtet auch das Gilgamesch-Epos, denn Gilgamesch war König von Uruk. In dieser Dichtung, die zu den ältesten schriftlich überlieferten Epen zählt, zieht Gilgamesch mit seinem wilden Gefährten Enkidu in die Welt hinaus, um Abenteuer zu bestehen. Vor allem jedoch sind sie auf der Suche nach dem ewigen Leben. Der mythische Nachhall Uruks und seines Königs war groß. Doch erst seit den Grabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft wurde der Blick auf die Realität in der altorientalischen City möglich. Ausgehend vom Gilgamesch-Epos kann man die Anfänge städtischen Lebens nun in der Ausstellung „Uruk. 5?000 Jahre Megacity“ kennenlernen. Die Metropole entwickelte sich stetig. Denn auch nach dem Verlust der politischen Vorherrschaft bestand das kulturelle und religiöse Zentrum weiter. So behauptete die Großstadt zwei Jahrtausende lang ihren Ruf als Metropole, bis Babylon im 6. Jahrhundert vor Christus an ihre Stelle trat. Selbst in der hellenistischen Welt unter den Nachfolgern Alexanders des Großen ging das Wissen um die religiös-kulturelle Bedeutung Uruks nicht verloren. Für die beiden Stadtgötter Inanna/Ischtar und den Himmelsgott An wurden sogar neue Monumentalbauten errichtet, die sich in der Bauweise an der alt­orientalischen Tempelarchitektur orientierten. Wahrlich eine Megacity mit Ausstrahlung.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto:Olaf M.Tessmer, Staatliche Museen zu Berlin, Vorderasiatisches Museum

Uruk – 5?000 Jahre Megacity
Pergamonmuseum, Bodestraße 1-3, Mitte, tgl. 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, 25.4.–8.9.

Verlosung: 5?x?2 Freikarten
Bitte senden Sie bis 25.4. eine E-Mail an [email protected], Kennwort: Uruk

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