Ausstellungen

„Verführung Freiheit“ im Deutschen Historischen Museum

DHM_Europa_07_Kantor_c_Kurt_Paulus___Neues_Museum_in_Nuernberg_Maria_Kantor_und_Dorota_KrakowskaManchmal wollen Ausstellungen zu viel. Das ist leider auch bei der 30. Europaratsausstellung mit dem klingenden Titel „Verführung Freiheit. Kunst in Europa seit 1945“ so. Nichts weniger als die ganz großen Fragen sollen verhandelt werden. Wie wollen wir leben? Wie halten wir es mit den Menschenrechten? Müssen diese um soziale und ökologische Komponenten erweitert werden? Über allem thront der Begriff Freiheit, hier ein wenig verkürzt auf Menschenrechte und Demokratie bezogen. Damit wird ein enges Korsett für die Exponate der 113 Künstler aus Ost und West geschnürt. Zudem erscheinen die didaktischen Texte zu jedem Werk oft wie auf die Intention der Schau hingeschrieben und nehmen den Arbeiten ihre Interpretationsoffenheit. Auch die Präsentation der Werke in zwölf Begriffsfeldern, von Vernunft bis Gewalt, ist räumlich zu eng geraten.

Zum Glück besteht eine Ausstellung aber nicht nur aus einem Konzept, sondern vor allem aus den ausgestellten Werken. Und da gibt es trotz aller Kritik eine ganze Reihe spannender Entdeckungen zu machen – zum Beispiel die in ihrer Schlichtheit bestechende, bemalte Porzellantellerserie „Verhörzimmer“ von Nikita Kadan oder Tjebbe Beekmans beklemmendes Gemälde „Palast“, ein Detail der Fensterfront des Berliner Sozialpalasts, das sich beinahe ins Ornamentale auflöst. Gerade diese weniger prominenten Positionen, zwischen Francis Bacon, Anselm Kiefer und andere Größen gemischt, überraschen. Zudem haben die Kuratoren aktuelle Arbeiten sowie die sonst im Museum wenig beachtete Street Art miteinbezogen, was der Bandbreite der künstlerischen Perspektiven deutlich zugutekommt.

Text: Philipp Koch

Foto: Kurt Paulus / Neues Museum in Nürnberg / Maria Kantor und Dorota Krakowska

tip-Bewertung: Sehenswert

Verführung Freiheit Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, Mitte, tgl. 10–18 Uhr, bis 10.2.2013

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