Ausstellungen

„Versuch: ?30 Prozent Künstlerinnen“ von Stefanie Dörre

Stefanie Dörre

Im me Collectors Room Berlin läuft gerade die Ausstellung Queensize, die ausschließlich Werke von Künstlerinnen aus der Sammlung Olbricht zeigt. Das MMK 2 in Frankfurt/Main (wegen der Location im Bankenviertel als hot angekündigt, aber dann doch nur ein White Cube) zeigt gerade Boom She Boom – Werke von Künstlerinnen aus der Sammlung. Zu beiden Ausstellungen gab es Kritik: So etwas Selbstverständliches wie Kunst von Frauen müsse man nicht extra betonen. Es mag das Frankfurter Banken-Flair gewesen sein, das mich auf die Idee gebracht hat, doch mal eine Analogie zu „30 Prozent Frauenanteil im Aufsichtsrat von DAX-Unternehmen“ zu versuchen: Die Kunstgeschichte verzeichnet extrem viel weniger Frauen als Männer, die Kunstakademien wurden für sie erst nach dem Ersten Weltkrieg geöffnet. Im zeitgenössischen Markt sind ihre Werke seltener und kosten viel weniger. Ob der Museumsbetrieb überfordert wäre, wenn man mal, vielleicht für ein Jahr, darauf bestehen würde, dass 30 Prozent der gezeigten Werke von Künstlerinnen stammten? Das würde viel Unbekanntes, vielleicht auch Interessantes, aus den Depots zutage fördern. Ob Berlin ein Gemälde von Adйlaпde Labille-Guiard (1749–1803) besitzt? Sie war die Gründerin der ersten Pariser Frauenschule für Malerinnen.

Text:
Stefanie Dörre

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