Ausstellungen

„Victor Man – Zephir“ in der Deutschen Bank Kunsthalle

Eine „Händlerin“ sitzt mit zusammengepressten Beinen auf einem Stühlchen. Blickkontakt ist nicht möglich, denn ihr Kopf ist in der Ölversion auf ihren Schoß gebettet – und das Bild endet oberhalb des Halsansatzes. Im gleichnamigen Aquarell ist das Ganze noch unfassbarer: Der Betrachter kann nicht einmal mehr ausmachen, was tatsächlich hier gehalten wird. In einem unbetitelten Gemälde des Jahres 2012 befördert sich der Konterfeite wohl mit der Pistole ins Jenseits. Doch auf den zweiten Blick entdeckt der Betrachter, dass der vermeintliche Knauf des Schießeisens ein schwarzer Totenkopf ist. Victor Mans Bilder versetzen uns in einen diffusen Schwebezustand. Sie scheinen auch maltechnisch aus der Zeit gefallen. Die Palette verhält sich kongenial äquivalent zum Bildgegenstand: im Zwischenraum des Unfarbigen. Düsternis triumphiert. Rätselhaftes.

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„Artist of the Year“ der Deutschen Bank zu sein, erläutert Okwui Enwezor, Direktor des Deutschen Hauses der Kunst in München, ist kein Preis und keine Auszeichnung. Stattdessen zolle man Anerkennung. Man benennt Künstler, denen langfristig Potenzial zuzutrauen ist, macht eine Einzelausstellung, produziert einen Katalog und erwirbt ein Werk für die Sammlung.  Victor Man gibt keine Interviews und lässt sich auch nicht fotografieren. So überlässt er die Deutungshoheit über seine enigmatischen Gebilde uns. Nicht zum Nachteil. Wir müssen uns auseinandersetzen mit Szenen, die einem Zwischenreich entstammen, wo die Persönlichkeit keine Rolle mehr spielt und Sigmund Freuds Es auf den Plan tritt.    

Text: Martina Jammers

Foto: Mathias Schormann / Courtesy of Victor Man / Deutsche Bank 

tip-Bewertung: Sehenswert

Victor Man – Zephir„, ?Deutsche Bank KunstHalle, Unter den ?Linden 13/15, Mitte, tgl. 10–20 Uhr, bis 22.6.

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