Ausstellungen

Emil Nolde in der Nolde Stiftung

KerzentänzerinnenFlatterhaft bauscht sich der rote Rock der Blondine am Meeressaum. In Emil Noldes „Begegnung am Strand“ trifft sie auf ein gnomartiges Elementarwesen mit wasserblauem Haar, das in der Hocke und vollkommen aus dem Häuschen die holde Erscheinung anstaunt. Eigenwillig paraphrasiert der Expressionist hier Botticellis „Geburt der Venus“, die hoheitsvoll Gestrandete, deren schwerer Schritt ins Leben – entsprang sie doch dem Gemächt des Uranos – bei Nolde ablesbar wird an ihrer violetten Hautfarbe. Alle Wetter- und Farbwirbel haben sich indes gelegt in Noldes „Verkündigung“, der Erzengel ist ebenso von der Botschaft paralysiert wie Maria: Alle Welt scheint vor Ergriffenheit die Luft anzuhalten.

Es ist schon erstaunlich, wie es der Berliner Nolde-Dependance immer wieder ?gelingt, pfiffige Schlaglichter ?auf den Meister aus Seebüll zu werfen. Diesmal sind es die Frauen. Wir erblicken sie als Mutter und Modell, Heilige und Sünderin, Verführte und leidenschaftliche Verführerin. Niemals strebte er danach, ein allgemein gültiges Bild von ihnen zu entwerfen. Erstmals konfrontiert die Nolde-Stiftung ihren Haus-Gott mit anderen Künstlern. Ein gelungenes Experiment: Verblüffend die Verwandtschaft von Noldes Portrait seiner zweiten Frau Jolanthe mit Warhols berühmtem Marilyn-Konterfei.


Text: Martina Jammers


(tip-Bewertung: Herausragend)

Bewundert, gefürchtet und begehrt – Emil Nolde malt die Frauen
Nolde Stiftung Seebüll, bis 31. Oktober

 

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