Ausstellungen

„Von Kunst zu Leben. Ungarn am Bauhaus“ im Bauhaus-Archiv

MolnarUngarn stellten zahlenmäßig zwar nur die drittgrößte Gruppe am Bauhaus, doch ihr Einfluss war überproportional. Das zeigt sich schon darin, dass drei von ihnen zu den Dozenten gehörten: Moholy-Nagy, Marcel Breuer und Otti Berger. Aus politischen Gründen war der Zuzug von Avantgarde-Künstlern besonders groß aus der kreativen Hochburg Pйcs. Die meisten von ihnen hatten als Maler im kubo-futuristischen Stil begonnen. Nun wäre es verkürzt, die ungarischen Bauhäusler festzuzurren auf ihr expressives Erbe. Einen erfrischenden Blick auf das Sehnsuchtsland Italien wirft die von Farkas Molnбr (Abb: Molnбrs Porträt von Breuer, 1923) und Henrik Stefбn erstellte Mappe „Italia 921“. Bedauerlicherweise existierte am Bauhaus keine eigene Malklasse. So wurde Breuer regelrecht zur Schreinerwerkstatt genötigt. Ein Glück, schuf er doch hier – ausgehend von einem Fahrradlenker – seine berühmten Stahl­­rohrmöbel. Ein Highlight der Architektur entwarf Molnбr mit seinem Einfamilienhaus „Roter Würfel“, den man als moderne Weiterführung seiner kubischen Orvieto-Gemälde sehen kann. „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ lautete die Formel, an der eine Reihe wichtiger Ungarn partizipierten. Als Scharnierstelle zwischen De Stijl und Bauhaus fungierte Moholy-Nagy, der derzeit parallel groß im Gropius-Bau he­rauskommt. Einer der utopischsten Entwürfe ist  das spektakuläre „Kugeltheater“ von Andor Weininger: Akteure wie Zuschauer mussten entschieden schwindelfrei sein!

Text: Martina Jammers

tip-Bewertung: Herausragend

Foto: Sammlung Betlheim, Zagreb

Von Kunst zu Leben. Ungarn am Bauhaus
Bauhaus-Archiv, bis 21.1.2011

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