Ausstellungen

„Wagner 2013. Künstlerpositionen“ in der Akademie der Künste

Walküre

Jeder hat etwas zu sagen. Regisseure wie Barrie Kosky oder Hans Neuenfels, Bühnen- und Kostümbildner wie Anna Viebrock, Komponisten wie Helmut Oehring, Schriftsteller wie Friedrich Dieckmann und bildende Künstler wie Christian Boltanski. Der Besucher könnte Tage in der Ausstellung verbringen, eintauchen in die verschiedensten Inszenierungsansätze, wollte er allen Stimmen lauschen. Schon vorher dröhnt der Schädel. Ob sich die Jugend überhaupt auf diese Geduldsprobe einlässt?
Die Schau verführt eher zum Insidertreffen. Gepredigt wird vom Bildschirm aus, dass die Ohren unter den Kopfhörern wackeln. Musikschnipsel füllen den Raum. Das bleibt natürlich nicht aus, wenn es um Richard Wagners Geburtstag vor 200 Jahren geht, beziehungsweise darum, warum der am 22. Mai 1813 in Leipzig geborene Komponist immer noch Kult ist. Wegen seines Größenwahns vielleicht? Bayreuth verweigert eine Beschäftigung mit Fluch und Segen des eigenen Erbes zum Jubeldatum in Form einer historisch-kritischen Ausstellung. Die gezeigten Künstlerpositionen wurden auch nicht zum Wagnerjahr geboren, sondern weil sich in der Sektion Darstellende Kunst fast alle Mitglieder mit dem streitbaren Sachsen und späteren Wahlbayern auseinandersetzen. Am höchst widersprüchlichen Meister reiben sich die Geister. Vor allem an der Frage, ob man Person und Werk trennen kann. Die heillose Kakofonie wird eindrucksvoll begleitet durch suggestive Momente. Durch die naiven Berlin-Fotos zum „Ring“ der australischen Künstlergruppe Hold Your Horses etwa oder Boltanskis Installation „The Day After“. Ein Ausklang mit Nachhall.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Helga Wallmüller

tip-Bewertung: Sehenswert

Wagner 2013. Künstlerpositionen, Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten, Di–So 11–19 Uhr, (24.+31.12 geschlossen), bis 17.2.2013

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