Ausstellungen

Wang Shugang „Circles“ in der Galerie Alexander Ochs

Wang_Shugang

Aus der Ambivalenz kultureller Erfahrungs­muster schöpft der chinesische Künstler Wang Shugang seine Formen. Die Ausstellung „Circles“ in der Galerie Alexander Ochs zeigt acht Skulpturengruppen und eine Lichtinstal­lation des 1960 in Beijing geborenen Bildhauers. Ende der Achtziger flüchtete Shugang nach Deutschland, geschockt von der Brutalität der chinesischen Regierung bei dem Massaker auf dem Tian’anmen Platz in Beijing. Zehn Jahre lebte und arbeitete der Bildhauer im Ruhrgebiet und kehrte erst 2000 wieder in seine Heimat zurück. Wie viele seiner chinesischen Kollegen entwickelte Shugang eine symbolhafte Farben- und Formensprache. Der Bildhauer fertigt Prototypen aus rot leuchtendem Poly­es­ter, Marmor oder Bronze, die vergleichbar sind mit seriell gefertigten Industrieprodukten und die doch beeinflusst sind von europäischer Figuration des 20. Jahrhunderts als auch buddhistischer Ikonografie und chinesischer Alltagskultur. Eines der Grundmotive von Wangs Arbeiten ist der Kreis. Seine Skulpturengruppen sind im Rund angeordnet, tragen Uniformen und verrichten unisono die gleiche Tätigkeit, wobei sie die Außenwelt abschirmen. Die Skulpturen Shugangs treten zwar nie alleine auf, verkörpern aber isolierte Existenzen, trotz des Zwangs kollektiver Zugewandtheit. Die Arbeit „Meeting“ (2001) etwa besteht aus acht ochsenblutroter, im Kreis sitzender Männer in der typisch chinesischen Hockhaltung. Rot, das ist die Farbe der Kommunistischen Partei, aber auch der Landesfahne, der Mäntel buddhistischer Mönche und der Kleidung chinesischer Bräute. Die Farbe Weiß
hingegen steht für Erleuchtung. In „Turn to Happiness“ (2007) kreisen zwölf Mönche in Kutten um eine Mitte und tragen erleuchtete Neon­stäbe. Wang Shugang wird in diesem Jahr noch in mehreren Ausstellungen zu sehen sein, unter anderem in Dresden (Art Summer 2009) und im Herbst mit der bronzenen Ganzkörperskulptur „Fegen“ (2004) im Park Sanssouci in Potsdam. Die Arbeit zeigt einen Mönch beim Verrichten seiner täglichen Klos­terarbeit. Mit leicht gebücktem Rücken, den Reisigbesen in der rechten Hand, säubert er den Boden, gleichmütig und ohne jede Eile. Dort, wo man ihn hinstellt.

Text: Laila Niklaus
Foto: Courtesy Alexander Ochs Galerie Berlin/Beijing

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Wang Shugang „Circles“,
Galerie Alexander Ochs, Sophienstraße 21, Mitte,
Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-18 Uhr, bis 19.9.

Weitere Kunstrezensionen:

Olaf Nehmzow und Hermann Weber bei Leo.Coppi (bis 26.9)

Sarah Ortmeyer in den Kunst-werken (bis 27.9.)

Ostzeit im Haus der Kulturen (bis 13.9.)

Kunst und Museen in Berlin von A bis Z

Mehr über Cookies erfahren