Ausstellungen

„Warum ?McCarthy floppte“ von Stefanie Dörre

Stefanie Dörre
„Geht das wirklich viereinhalb Stunden?“ Mir war es nicht eingefallen, mich zu erkundigen, wie lange eine Videoinstallation läuft. Aber richtig, wir waren ja in der Volksbühne. Theater. Da ist Spieldauer eine relevante Kategorie. In der Bildenden Kunst nicht. Gehste rein, guckste, gehste raus. Was der Theaterkritker dann auch tat. Ich nicht. Zwei Stunden von Paul McCarthys Megainstallation, die den gesamten Bühnen- und Zuschauerraum füllte, habe ich mir gegeben. Überall Videoloops mit Sex- und Gewaltszenen, dazu zwei begehbare Hausinstallationen. (Ausgangspunkt der Arbeit sind die Proben für den Film „Rebel Without a Cause“, bei denen es angeblich zwischen James Dean, der erst 16-jährigen Natalie Wood, und dem 27 Jahre älteren Regisseur Nichola Ray zu Sex gekommen ist.) Alles riesengroß. Extreme Reizüberflutung. Doch die Mega-Arbeit des Kunst-Superstars aus USA, der konsequent die sexuell-gewaltsamen Subtexte des Mainstream freihackt, kam nicht gut an. Zu groß, zu krude, zu vorhersehbar. Vermutlich hatte man im Rahmen eines Theaters von einem Mann, der meterhohe „butt plugs“ aufstellt, unvernünftigerweise mehr Subtitlität erwartet. Oder zumindest Schauspieler. Der Kontext ist für Kunst extrem wichtig. Und die Volksbühne offenbar kein Ort, an dem alles funktioniert.

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