Ausstellungen

Werkschau von K.?H. Hödicke in der Berlinischen Galerie

K.H._Hoedicke_Chinese_American_Restaurant_zugeschnittenSeine Materialität ist ihm wichtig. Das kann man in der vielgestaltigen Ausstellung sehen, die dem 1938 in Nürnberg geborenen Wahlberliner gewidmet ist. Zum Auftakt hängt ein Teer-Fass von der Decke, aus dem der Bitumen in den nächsten Wochen langsam auf den Boden tropft. Alles im Fluss sozusagen. Seit 1957 lebt der Künstler in Berlin, malte schon vor den Neuen Wilden den „Himmel über Schöneberg“ mit schön schrägen Häusern oder den plakativen „Sturm aufs Brandenburger Tor“ kurz nach der Wende. Rote Männlein hüpfen jubelnd über die knallrote Quadriga, sternschnuppenartig gelb eingerahmt. Aber nicht nur figurativ, sondern auch experimentell ist Hödicke, der mehr als drei Jahrzehnte an der UdK lehrte, unterwegs. Er hat Spaß am Ausprobieren, ohne zu weit zu gehen. Ein witziges „Scheibenwischer“-Objekt ist ebenso zu betrachten wie brave, abstrakte Partituren-Bilder aus den 90er-Jahren sowie Kurzfilme, die er in den 60ern und 70ern drehte. Dabei geraten die Bilder in Bewegung. „Rot ist gelb ist grün ist blau ist rot“ von 1976 zeigt, wie ein Gemälde heranwächst. Andere Filme vermitteln das Flower-Power-Flair der Hippie-Zeit. Dies hat Schwung, wie ihn daneben nur die frühen Gemälde von Leuten im Stadtraum besitzen. In starken Farben gehen Erotik, Sexualität und Körperqualen in wirbelartigen Kompositionen eine unauflösbare Verbindung ein. Festgehaltener Groove. Ein Paradox, ist die Leinwand doch ein statisches Medium.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: VG BILD-KUNST, Bonn 2013 / Leihgabe Helmut Wietz

tip-Bewertung: Sehenswert

K.?H. Hödicke. Malerei, Skulptur, Film Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124-128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, bis 27.5.

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