Kommentar

„Wie 1937 – das ist nie eine gute Idee“ von Stefane Dörre

Berlin liebt David Chipperfield, seit der britische Stararchitekt das Neue Museum so sensationell restauriert hat – indem er es behutsam nach Originalplänen rekonstruiert und ihm seine historischen Spuren gelassen hat

Stefanie Dörre

Nun soll Chipperfield ein anderes Museum renovieren, das Haus der Kunst in München. Und wieder ist sein Vorschlag der einer historischen Rekonstruktion. Nur dass es diesmal nicht, wie beim Neuen Museum, um die konsensfähige Architektur August Stühlers geht. Nein, Chipperfield möchte ein Gebäude aus der NS-Zeit in den Originalzustand der Eröffnung von 1937 versetzen. Auch die vor den Eingang gepflanzten Bäume sollen weg, die die brutale Wucht des Gebäudes momentan abmildern.
Nun formiert sich Widerstand gegen die von Bayerns Kulturminister Ludwig Spaenle (CSU) und Okwui Enwezor, Direktor vom Haus der Kunst, unterstützen Pläne. Charlotte Knobloch nennt sie eine „rückwärtsgewandte Fantasie mit freiem Blick auf dieses Rudiment des NS-Terrors“. Magnus Brechtken vom Münchner Institut für Zeitgeschichte spricht von „Rassenideologie in Stein“. Chipperfield möchte „Sichtbarkeit und Transparenz“ für die Geschichte des Hauses gewinnen. Doch: Dass es mit einer brutalen Überlegenheitsideolgie gebaut ist, sieht man auch, wenn davor Bäume stehen. Aber diese Umgestaltungen machen eben auch klar, dass wir ungebrochene Terrorarchitektur nicht mehr wollen.

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