Gemälde

Willi Baumeister bei Wolfgang Werner

Willi Baumeister zählt zu den wichtigsten Künstler der Moderne. Nun zeigt Wolfgang Werner unter ­anderem seine Sportbilder – im Spannungsfeld zwischen ­Figuration und Abstraktion

Foto: Repro Reinhard Truckenmueller / Willi Baumeister / VG Bild Kunst, 2018

Wie toll ist das denn? Nicht nur bietet noch bis Anfang April das Kupferstichkabinett Gelegenheit, sich gründlich in das zeichnerische Werk Willi Baumeisters (1889–1955) und einiger ausgewählter Kollegen zu vertiefen – auch mit einer Ausstellung von Gemälden der 1930er-Jahre lassen sich nun in den Räumen des Kunsthandels Wolfgang Werner in verdichteter Form wichtige Etappen im Werden einer historischen bedeutenden Position neu entdecken. Immer auf der Suche nach „dem Unbekannten in der Kunst“ löst der von den Nazis verfemte und als „entartet“ diffamierte Künstler sich zusehends von Figuration und Konstruktivismus. Inspiriert von prähistorischen afrikanischen Felsmalereien entwickelt er als „Urform des Bildhaften“ das „Ideogramm“.

Sein Ziel als Maler: „Die kürzeste, die einfachste Ausdrucksform für die Wesenheiten des Menschen“ zu finden. 13 Gemälde, aus denen mit der 1936/37 entstandenen „Figur in Bewegung“ ein Werk von musealer Qualität hervorsticht, machen – ergänzt von fünf Lithografien– eine faszinierende Entwicklung schlüssig nachvollziehbar: Was spielerisch abstrahierend, aber noch immer identifizierbar, auf dem Tennisplatz beginnt und bisweilen sogar echten Sand integriert, kommt später in maximaler Reduktion als ein freies Spiel der Formen zu sich selbst, ohne dabei an Eindeutigkeit zu verlieren.

Das überzeugt – und gibt vor dem Hintergrund der internationalen Vernetztheit Baumeisters und seiner Bedeutung für die deutsche Nachkriegs-Abstraktion Anlass zu einer Überlegung: Vielleicht war der in der jüngeren Vergangenheit in der Kunstszene gefeierte Abschied vom heroischen Konzept der Avantgarde doch keine so tolle Idee.

Willi Baumeister: Gemälde der 30er Jahre – Sportbilder, Figuren malerisch, Formen, Ideogramme und Zeichen Kunsthandel Wolfgang Werner, Fasanenstraße 72, 10719 Berlin, Di – Fr 10 – 18h, Sa 11 – 15h, www.kunsthandel-werner.de, Bis 2.Juni 2018

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