Ausstellungen

Wolfgang Tillmans in der Galerie Buchholz

tillmansSeine erste Ausstellung in der Berliner Dependence der Galerie Buchholz ist klassischer Wolfgang Tillmans – wenn auch seinem Alter angemessen. Bis auf wenige abstrakte Bilder findet sich hier vor allem der um die Welt reisende und dabei das Schöne im Banalen entdeckende Dokumentarist, als der Tillmans Mitte der 90er berühmt wurde. Mit geschärftem Blick und brillianter Technik lässt er Unorte wie den Times Square, die O2-Arena und Rohbauten faszinierend erscheinen. Er kitzelt mit viel Humor das Phallische aus Kühlanlagen hervor, transformiert gestapelte Eierpalletten in ein modernistisches Grid und zeigt sehr deutsche Motorradfahrer in voller Montur. Dazu gibt es neben zwei typischen patchwork-artigen Installationen wunderschöne Aufnahmen von Laubpfützen, seinem nackten Freund Anders und vaginalen Blütenkelchen.

Und doch hat sich Entscheidendes geändert: In den 90er-Jahren schien sich Tillmans als Fotograf zurückzunehmen. Er gab seinen Bildern eine Schnappschuss-Ästhetik und damit wirkten seine technischen Fertigkeiten weniger wichtig als das, was er abbildete. Früher zeigte er, wie sich Menschen Orte aneignen und sich mit wenigen Mitteln aktiv ein faszinierendes und beneidenswert unkonventionelles Leben gestalten. Kaum ein Stillleben unterstrich einfach nur die Schönheit der Objekte, sondern offenbarte, was Menschen aus und mit diesen Gegenständen machen können. Genauso fokussierten seine Porträts weniger auf den Menschen, sondern vielmehr auf dessen Interaktion mit der Umwelt. Natürlich gingen auch damals Inhalt und Form eine perfekte Allianz ein: den alternativen Lebenskonzepten entsprach die improvisierte Erscheinung von Tillmans’ Bildern. Nun, da es ihm weniger um Lifestyle als um Motive geht, komponiert er seine Bilder entsprechend raffiniert und mit brillianten Farben. Auch wenn dadurch vielleicht etwas an sozialer Relevanz verloren geht, ist dies wohl ein natürlicher Reifungsprozess, der es Tillmans ermöglicht, noch auf lange Zeit einer der maßgeblichen zeitgenössischen Künstler zu bleiben.

Text: Benjamin Paul
tip-Bewertung: Herausragend

Wolfgang Tillmans Galerie Daniel Buchholz, Fasanenstraße 30, Charlottenburg, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16, bis 11.12.

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