Ausstellungen

Wu Tsang in der Galerie Isabella Bortolozzi

IsabellaBortolozzi_WuTsang_c_CourtesyWuTsang_GalerieIsabellaBortolozziBerlinSprache ist so beschränkt. Er, sie, es – alles Etikettenschwindel! Bliss, gespielt von Boychild (Foto), treibt Androgynität beim Performen auf die Spitze. Kraftstrotzend und fragil zugleich. Expressiv und introvertriert. Paradox? Das HD-Video „A day in the life of bliss“ erzählt, wie der Titel sagt, einen Tag , in 20 Minuten: Wir sehen Bliss beim Abhängen mit Freunden, beim spektakulären Auftritt im Club in Mexico City, beim Gruppen-Selfie mit Fans an einer Berliner U-Bahn-Station. Und wir sehen, wie Bliss von der Polizei gefol­tert wird, bis zum Befreiungsschrei „Un-tie us!“.

Der in Los Angeles lebende transsexuelle Video-Künstler Wu Tsang, Jahrgang 1982, mit Werken in der Tate und im MoMA, hat diesen Tag auf zwei Kanälen fotografiert. In der Galerie Isabella Bortolozzi sind sie auf zwei leicht angewinkelte Leinwände nebeneinander projiziert, wiederum gespiegelt durch zwei dunkle Glasplatten. Identität ist multiplex. Oft läuft auf einem Kanal Plot, auf dem anderen Tanz – kontrapunktisch, aber auch die Story gefühlsbestimmt kommentierend. Verstörend, wie das Queere in Wu Tsangs Welt mit leichtem Science-Fiction-Touch bekämpft wird – weil diese dystopische Welt beklemmend dicht liegt an realen Orten, heute, nicht bloß in Russland oder Uganda: Selbst in Berlin würde Bliss sicher provozieren. Diese zauberschöne Ausstellung, samt Video-Stills und glamouröser Spiegel-In­stallation, ist nicht bloß hochästhetisch sondern wirklich bedeutsam. 

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Courtesy Wu Tsang / Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

tip-Bewertung: Herausragend

Galerie Isabella Bortolozzi Schöneberger Ufer 61, Tiergarten, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 31.7.

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