Ausstellungen

Zeitgenössische Fotografie aus Weißrussland

Zeitgenössische Fotografie aus Weißrussland

Die von Matthias Harder, dem Kurator der Newton Stiftung, kuratierte Ausstellung zeigt eine Reihe interessanter Positionen, und es verwundert nicht, dass in vielen Arbeiten der 16 jungen Künstler Kritik am politischen System Weißrusslands und der herrschenden Lage aufscheint, allerdings immer mit Hintersinn und oftmals mit Humor.
So werden in der „Private President“ betitelten Serie von Siarhei Hudzilin Nahaufnahmen des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko gezeigt, die er vom Fernsehbildschirm abfotografiert hat: der Schnauzbart und die Nase des Präsidenten, die Hände, alles in unnatürlicher Nähe und mit der typischen Körnung des Röhrenfernsehers. Der Zweite Weltkrieg und das Militär stehen bei den von Andrei Liankevich ausgestellten Arbeiten im Fokus. Ein Doppelporträt: derselbe Mann, oder vielleicht sind es Zwillinge, einmal in Uniform der Rot­armee, einmal in der der Wehrmacht, vor weißem Hintergrund. Junge Soldaten einer Ehrenwache vor einem gewaltigen, aus einem Felsen geschlagenen heroischen Monument, das ein wenig an Mount Rushmore erinnert.
Überhaupt deutet sich in der formalen Nutzung von Serien, erzählerisch oder dokumentarisch, eine Kontinuität in der weißrussischen Fotografie an, waren beide Stilformen doch auch in der Ausstellung „Fotografien aus Minsk“ dominant. Gute Beispiele hierfür sind die stillen Interieurs von Aleksander Veledzimovich und eine Serie von drei kleinen Polaroids von Aleksei Shinkarenko.  

Text: Philipp Koch

Foto: Aleksei Shinkarenko

Ifa galerie Berlin
Linienstraße 139/140, Mitte, Di–So 14–18 Uhr, bis 18.1.15

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