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Kommentar

„Bärendienst“ von Eva Apraku

Eva Apraku

Sie haben Gedenkkreuze für Mauertote abgeschraubt. Sie reisten, ausgerüstet mit Bolzenschneidern, an Staatsgrenzen, um Zäune einzureißen. Und sie beerdigten auf ihrer Odyssee gestorbene Flüchtende vor Ort in Berlin, symbolisch und real: Die Kunstaktionen des Berliner Zentrums für politische Schönheit (ZPS) unter Philipp Ruch sind so krass wie publikumswirksam, zeichneten sich bislang aber stets auch durch starke, stimmige Bilder aus, mit denen man einer selbstzufriedenen, westlichen Welt, die das Elend von Flucht und Vertreibung nicht wahrnehmen will, einen Spiegel vorhielt.
Doch nun scheint das kreative Potenzial des ZPS erschöpft zu sein. In dem Bemühen, jede bisherige Aktion mit einer noch provokanteren Nachfolgeaktion zu toppen, sind offenbar die Ideen ausgegangen. Denn beim jüng-
sten Spektakel – anders kann man es nicht bezeichnen – Flüchtlinge fressen. Not und Spiele ist einfach alles schief: Der Verweis auf Amüsement und Menschenopfer in den Arenen des antiken Roms. Der Einsatz von Tigern, also einer Spezies, die in ihrem Bestand von Menschen extrem bedroht ist, als „tödlicher Gefahr“. Oder die Ankündigung der vom ZPS rekrutierten Flüchtlinge, sich von den Großkatzen fressen zu lassen, wenn das vom ZPS gecharterte Flüchtlingsflugzeug nicht einreisen darf.
Das Hauptthema des ZPS, die Not der Flüchtlinge, wird durch diese letzte Aktion komplett banalisiert. Womit die ZPS-Aktivisten den Flüchtlingen einen verheerenden Bärendienst erweisen.

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